„Ach wie dumm und albern du bist, du Heullise!“ rief der Knabe und stampfte mit dem Fuße. „Fünftausend Meter, was ist schon dabei?“
Michael beruhigte das Mädchen. „Also, Marion, wenn ich in deiner Nähe bin, so wirst du wohl Mut haben. Sieh zu, ich werde dich an der Hand führen, und es wird dir nichts geschehen. Fallen wir herunter, nun was schadet es, so fällst du in meine Arme.“
Gerhard aber betrieb augenblicklich eifrig die Vorbereitungen. Ein Tisch wurde an den Schrank geschoben und auf den Tisch ein Stuhl gestellt. An den Tisch wiederum wurde ein Stuhl gerückt. Nun wurden sie alle drei mit einer Schnur aneinander gebunden, und Gerhard, mit einem Stock bewaffnet, begann den Aufstieg. Er schlug mit dem Stock Stufen in das Eis, er ließ Warnungen ertönen, so daß Marion zu zittern anfing. Schließlich aber ging alles gut ab, und alle drei waren oben.
In diesem Augenblick öffnete das Mädchen die Tür und sagte, während sie in lautes Lachen ausbrach: „Die Stunde ist eben zu Ende, ich werde Sie sofort der gnädigen Frau melden.“
12
Das Mädchen lachte noch hell heraus, als es über den Korridor eilte. Michael stieg mit Marion auf dem Arm vom Mont Blaue herab und begab sich in die Diele.
Hinter einer der vielen langweiligen weißen Türen hörte er die erregte Stimme seiner Schwägerin. Sie zankte. Das Dienstmädchen schlüpfte mit bestürzter Miene durch den Türspalt. Gleich darauf öffnete sich der eine Flügel der Tür, und Lise wurde sichtbar. Sie war in höchster Erregung und blickte Michael mit zornigen Augen an.
„Bestellen Sie es dem Herrn nur!“ rief sie und schob das zögernde Dienstmädchen in die Diele. „Bestellen Sie dem Herrn, was ich Ihnen sagte: Ich will nichts mehr mit den Schellenberg zu tun haben!“
Verblüfft und betreten tat Michael einen Schritt rückwärts. Er griff mit einer bedauernden Geste nach Hut und Mantel. „Nun, dann lebe wohl, Lise,“ sagte er und zuckte die Achsel. „Ich werde mich dir nicht aufdrängen.“
In diesem Augenblick streckten die Kinder die Köpfe in die Diele und riefen: „Michel! Michel!“