Sie plauderte noch dies und jenes, zuweilen mit einem kleinen, glucksenden Lachen, solange das Mädchen im Zimmer war.
Kaum aber hatte das Mädchen das Zimmer verlassen, als sie erregt nach Michaels Hand tastete und mit hilflosem Blick fragte: „Hast du Wenzel gesehen?“
„Ich bin erst seit kurzer Zeit in Berlin,“ erwiderte Michael. „Ich habe ihn nicht gesehen und wollte euch heute besuchen.“ Er sprach etwas unsicher und stockend, es fiel ihm schwer, sich zu verstellen. Den Brief von Lises Mutter erwähnte er absichtlich nicht. „Was, um alles in der Welt, ist mit Wenzel?“
Lise sah ihn lange an, dann erhob sie sich und ging ein paar Schritte, während sie die Zigarette zwischen den Lippen zernagte. „Was mit Wenzel ist?“ fragte sie. Sie blieb vor Michael stehen. „Ich weiß es nicht.“
„Du weißt es nicht?“
„Nein. Ich weiß seit – seit längerer Zeit nichts mehr von Wenzel. Es ist alles merkwürdig. Daß er nicht mehr bei Raucheisen tätig ist, weißt du wohl? Der alte Raucheisen hat ihn entlassen.“
„Entlassen?“
Lise zerknitterte die Stirn. „Entlassen oder nicht entlassen, jedenfalls ist er nicht mehr bei Raucheisen. Und irgend etwas muß ja wohl vorgefallen sein. Ich habe mit einigen Freunden Wenzels gesprochen, die bei Raucheisen arbeiten. Vielmehr nicht ich, ich habe Major Puchmann gebeten, mit ihnen zu sprechen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Denn es gehen Gerüchte, Michael! Aber die Herren machten nur Ausflüchte. Sie sagten nichts. Jedenfalls schied Wenzel von heute auf morgen bei Raucheisen aus.“
Michael versuchte, Lises Hand zu fassen, um sie zu beruhigen. „Vielleicht hat es Wenzel nicht mehr bei Raucheisen gefallen,“ sagte er. „Laß dich doch von den Leuten nicht beschwätzen, Lise.“
Lise schüttelte den Kopf. „Beschwätzen?“ sagte sie und wurde immer erregter und geriet nahezu wiederum in den früheren Zustand der Verzweiflung. „Beschwätzen? Ich bin doch nicht irgendeine kritiklose Person, Michael. Es ist ja auch gar nicht die Hauptsache, was bei Raucheisen vorfiel. Aber nun höre: die Hauptsache ist, daß Wenzel ohne jede Erklärung, ohne ein Wort zu sagen, aus dem Hause gegangen ist!“