Hastig brach Wenzel auf.
Vor dem Restaurant stand eine elegante, schwarzlackierte Limousine. „Steige ein,“ sagte Wenzel mit einer fast knabenhaften Freude über Michaels verblüfftes Gesicht.
„Ist es dein Wagen?“ fragte Michael.
„Natürlich ist es mein Wagen. Anders geht es nicht.“
Der Wagen hielt vor einem Bureaugebäude in der Wilhelmstraße. „Folge mir,“ sagte Wenzel, und zögernd kam Michael hinterher. An einer Tür stand nichts geschrieben als „Schellenberg“. Ein Diener öffnete, und Wenzel führte Michael durch eine Flucht großer Arbeitsräume voller Schreibmaschinen und Bureaumöbel. Alles war völlig neu. Man roch noch Lack und Farbe.
„Das alles hier ist Schellenberg,“ sagte Wenzel mit einem fröhlichen Lachen. „Wir haben diese Räume erst vor einer Woche bezogen. Vorher hauste ich in ein paar Löchern in einem Hof, ganz im Geheimen, sozusagen.“ Wenzel öffnete eine Tür und führte Michael in ein sehr bescheiden eingerichtetes Schlafzimmer. Neben der eisernen Bettstelle stand ein Stuhl mit einem Telephonapparat. „Das hier sind meine Privatgemächer,“ erklärte Wenzel. „Vorläufig, Bruder, vorläufig nur. Wir wollen sehen, ob ein Schnaps zu finden ist. Ah, siehst du, hier. Ich bitte dich herzlich, Michael, ein Gläschen wollen wir noch trinken, bevor die große Reise weitergeht.“
Michael staunte noch immer. „Was tust du eigentlich?“ fragte er den Bruder. „Was für eine Firma hast du? Wie hast du dies alles geschaffen?“
Gerade auf diese Frage hatte Wenzel gewartet. Hätte Michael nicht gefragt, so hätte er von selbst davon zu sprechen begonnen. „Was ich tue?“ fragte er und ging, die Hände in den Hosentaschen, auf und ab. „Ich kaufe, ich verkaufe. Ich fing damit an, die Holzladung eines viertausend Tonnen großen finnischen Dampfers zu kaufen. Es war Grubenholz, das der Raucheisenkonzern aus irgendeinem Grunde nicht abgenommen hatte. Ich erfuhr es und kaufte das Holz auf eigene Rechnung. Ich verkaufte die Ladung zwei Wochen später, ohne sie je gesehen zu haben. So fing es an.“
„Hattest du denn Geld?“ unterbrach ihn Michael.
Wenzel lachte. „Geld? Ich hatte kein Geld, aber ich hatte Kredit. Damals war ich ja noch bei Raucheisen. Es gab Bankfirmen, die auf meine Vermittlung, Empfehlung und Freundschaft angewiesen waren. Eine einzige Information von meiner Seite konnte ein kleines Vermögen bedeuten.“