„Ah, jetzt fange ich an, zu begreifen.“
„Ich habe, höchst einfach, meine Verbindungen mit dem Raucheisenkonzern benutzt, wie andere ihre Verbindungen benutzten. Es ist vielleicht nicht vollkommen – wie soll ich sagen – honorig, aber ich habe mir diese feinen Unterschiede längst abgewöhnt. Dann kaufte ich ein kleines Bergwerk im Anhaltischen, um es nach einem Monat wiederum an einen Holländer zu verkaufen. Es war ein großes Geschäft, das mir die nötige Anfangsgeschwindigkeit gab, und doch habe ich dafür nicht einen Pfennig Geld ausgegeben. Ich habe das Bedürfnis, mich dir mitzuteilen, Michael, und so will ich dir nicht verhehlen, daß dieses Bergwerk Raucheisen angeboten war. Raucheisen zögerte. Ich kam ihm zuvor und ließ das Bergwerk rasch durch meine Bank ankaufen. Nun brauchte ich Raucheisen nicht mehr. Ich kündigte meine Stellung. Nicht er hat mich entlassen, ich entließ ihn! Das kannst du Lise sagen! Und so ging es weiter. Ich lieh Geld und arbeitete damit, ganz wie andere es machen, ganz wie Raucheisen es macht. Zur Zeit spezialisiere ich mich auf Papierfabriken.“
Michael erhob sich. „Nun gut, ich wünsche nur, daß du es nicht bereust.“
„Schön, dann also lebe wohl! Unsere Wege werden sich wohl vorläufig etwas trennen, so fürchte ich.“
„Ich fürchte es,“ antwortete Michael und blickte zu Boden.
„Warte, halt!“ rief Wenzel und ging an einen Schreibtisch. „Ich will dir etwas sagen, Michael. Du kannst vielleicht Geld brauchen, für deine Pläne, und ich habe gerade Geld. Nimm es. Wie gesagt, mein Gewissen ist noch nicht ganz so abgestumpft wie das anderer Geschäftsleute. Zuweilen ist es noch ein bißchen beunruhigt. Ich möchte mich sozusagen freikaufen mit diesem Scheck, von gewissen sozialen Verantwortungen, und du tust mir einen großen Gefallen, wenn du ihn annimmst.“
Es war ein Scheck von außerordentlicher Höhe.
„Schön,“ sagte Michael. „Ich nehme den Scheck, denn ich gebrauche ja das Geld nicht für mich. Gut, gut, und nun lebe wohl!“
Die Brüder reichten sich die Hände und sahen sich in die Augen. Oh, es hatte keiner Angst vor dem andern, und keiner wich um einen Millimeter zurück.
„Den Wagen!“ rief Wenzel dem Diener zu.