Der Prokurist ächzte: „Ich sitze hier noch bis zum Ersten. Dann liege auch ich auf der Straße. Sie wissen also nicht, was mit Hegelström geschehen ist? Ganz Berlin sprach wochenlang von nichts anderem.“
„Nein, wie sollte ich es wissen?“
„Er hat sich vergiftet, junger Mann. Uns allen wird schließlich nichts anderes übrig bleiben, als Arsenik zu fressen. Die Zeiten sind miserabel. Hegelströms Sozius ist Antiquitätenhändler geworden, wie viele Architekten. Er hat einen kleinen Laden in der Kantstraße. Besuchen Sie ihn. – Ja, nun erinnere ich mich wieder an Sie, Herr Weidenbach. Sie haben seiner Zeit die kleinen Villen entworfen, die Hegelström so gut gefielen, nicht wahr?“
„Es waren kleine Landhäuser für Zehlendorf.“
„Ja, richtig. Und Sie waren krank, sagen Sie? Warten Sie einmal – es ist mir so, als habe man mir etwas von Ihnen erzählt? Oder habe ich über Sie etwas in den Zeitungen gelesen?“
Georg wurde blutrot.
Der Prokurist aber gab es gottlob sofort auf, in seinem Gedächtnisse nachzuforschen. „Es sind schwere Zeiten für das Baugewerbe, Herr Weidenbach,“ fuhr er fort. „Es gibt keine Aufträge, und die meisten Neubauten wurden eingestellt. Raten? Nein, ich kann Ihnen keinen Rat geben, ich wüßte nichts.“
Georg war schon in der Türe, als ihm der Prokurist hämisch lachend nachrief: „Vielleicht gehen Sie zu Schellenberg! Versuchen Sie es doch einmal bei ihm!“
„Schellenberg? Wer ist Schellenberg?“
„Schellenberg, das ist ein Unternehmer, der den Arbeitslosen zwanzig Pfennig die Stunde bezahlt, und dazu verspricht er ihnen eine Villa auf dem Monde. Ich sehe schon, Sie haben nicht übel Lust, zu ihm zu gehen – hahaha. Aber nun leben Sie wohl, Herr Weidenbach.“