Bestürzt verließ Georg das Haus.

Er hatte heute nicht mehr den Mut, bei anderen Firmen sein Glück zu versuchen. Kurz entschlossen sprang er auf eine Elektrische, um nach Charlottenburg zu fahren, wo sein Freund Stobwasser wohnte.

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Karl Stobwasser sah nicht aus wie ein Bildhauer, eher wie ein Schneider. Es war ein kleiner schmächtiger Bursche mit einem schmalen Kopf, etwas schiefem Mund und auffallend spitzer, langer Nase. Auf der Baugewerbeschule in der Provinz – wo Weidenbach sein Mitschüler war – hatten seine vorzüglichen Steinmetzarbeiten und Holzschnitzereien die Bewunderung der Mitschüler und selbst der Lehrer erweckt. Vor zwei Jahren war Stobwasser nach Berlin gegangen, fest entschlossen, seinen Weg als Bildhauer zu machen. Er hatte auch bald Erfolge, wenn auch nur geringe. Ein angesehener Kunstkritiker hatte lobend auf seine Holzplastiken hingewiesen.

Stobwasser hatte seine Werkstatt im Hofe einer Charlottenburger Mietskaserne in einer Art Remise oder Stall aufgeschlagen. Dieses kleine Loch nannte er sein Atelier. Neben der Werkstatt befand sich ein wirklicher Stall, aus dem ununterbrochen eine Ziege in den kleinen finsteren Hof hinausjammerte, sooft sich nur ein Schritt vernehmen ließ.

Stobwasser war zu Hause, Gott sei Dank! Eine heisere, krächzende Stimme antwortete auf Georgs Klopfen. Als er in den kleinen, eisigkalten, halbdunklen Raum eintrat, fuhr ein verwilderter Kopf aus den Decken einer kleinen Eisenbettstelle empor. Eine lange, spitze Nase war das einzige, was Georg klar erkennen konnte.

„Wer ist es?“ fragte die heisere Stimme des Bildhauers, und Nebel dampfte aus seinem Munde.

„Ich bin es, Georg.“

Der Bildhauer fuhr noch höher aus den Decken empor und richtete seine spitze Nase auf Georg. Er bewegte den wilden Haarschopf hin und her und vermochte kein Wort hervorzubringen.

„Wie? Wer?“ rief er dann erschrocken aus.