„Georg!“

„Aber ist es möglich?“ Stobwasser warf erregt die Arme in die Luft. „Du? Weidenbach? Ist es denkbar? Aber – verstehe mich – du siehst, daß ich es nicht fassen kann! Man hat mir doch gesagt, daß du – gestorben seist!“

„Nein, ich lebe noch,“ entgegnete Georg mit einem leisen, bitteren Lachen.

Der Bildhauer schüttelte fassungslos den Kopf. „Wie ist es denkbar?“ rief er aus. „Wer erzählte es denn nur? Katschinsky? Die Jenny Florian? Ich verstehe es nicht, wie konnte man es denn erzählen, wenn es nicht wahr war? Oh, mein armer Kopf, ich kann gar nicht denken! Nun, einerlei, wie das Gerücht aufkam – du lebst!“ schrie Stobwasser mit heiserer Stimme. „Du lebst also noch! Ach Gott sei Dank! Dreimal war ich im Krankenhaus, um dich zu besuchen, aber man hat mich nicht vorgelassen! Und dann also – dann erzählte man es im Café! Lieber Himmel, was für Dinge geschehen können!“ Er streckte Georg beide Hände entgegen. „Nun, Gott sei gelobt! Umarme mich, Bruderherz! – Oder bist du aus dem Jenseits gekommen, um mir einen Besuch abzustatten? Wie?“ Der Bildhauer lachte und hustete. Glühendheiß brannten seine Hände. Er schwieg eine Weile, während er Georg mit großen, glänzenden Augen betrachtete. „Laß dich ansehen, alter Freund,“ sprudelte er dann außer sich vor Freude hervor. „Wie wunderbar ist es doch! Und ich trauerte schon um dich. Und manchmal, es ist wahr, da habe ich dich beneidet. Nein, wie wunderbar ist es doch! Und da kommt er also plötzlich herein –!“

Georg sah sich in der kahlen Werkstatt um. „Wo sind deine Tiere?“ fragte er, um von dem Thema abzulenken, das ihn peinigte. Früher war Stobwasser stets von einer Menge von Tieren umgeben gewesen: Papageien, Katzen, Kakadus, Mäusen.

„Meine Tiere?“ Der Bildhauer ließ den Kopf sinken. „Meine lieben Tiere? Ach, es war zu kalt für sie hier, ich habe keine Kohlen. Eine Dame, eine barmherzige Seele, hat sie in Kost und Logis genommen. Seit Wochen bin ich nicht wohl. Selbst ein Hund würde in diesem Loch krank werden. Setze dich doch, Georg. Ich war eben aufgestanden, um etwas Tee zu kochen. Auf dem Wandbrett dort steht eine Tasse, nimm diese Tasse für dich und gib mir das Glas.“

Der Bildhauer nahm das heiße Glas in die Hände und wurde von Frost geschüttelt. „Schade, schade. Auch nichts kann ich dir anbieten, nicht einmal einen Kognak. Es ist zu ärgerlich!“

„Und wie ging es dir, seit wir uns nicht sahen, Stobwasser?“

Stobwasser führte das Glas mit zitternden Händen zum Munde und versuchte, den heißen Tee zu schlürfen. „Ich kann es immer noch nicht fassen, liebster Kamerad – aber sprechen wir nicht mehr davon. Ja, du fragst, wie es ging? Gut und schlecht. Es war nicht so einfach durchzukommen,“ sagte er heiser, „aber ich verlor den Mut trotz allem nicht. Du weißt ja, ich hatte damals drei Figuren zu modellieren für die Villa eines Seifenfabrikanten. Nun, die Figuren mißfielen leider der Madame und wurden wieder heruntergeschlagen, und ich bekam keinen Pfennig. Ich konnte ja klagen, siehst du, so sind sie, die reichen Leute. Aber ich konnte ja nicht einmal den Anwalt bezahlen. Dann verkaufte ich eine kleine Holzschnitzerei, aber der Käufer zahlte nur eine geringe Summe an, und seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Die Reichen können sich nicht in die Lage des Armen versetzen. Sie können sich nicht vorstellen, daß man dasitzt und auf jeden Schritt horcht. Dann hatte ich Aussichten, die sich nie verwirklichten. Und nun bin ich krank und liege hier. Aber nun erzähle du,“ schloß der Bildhauer, indem er das Glas abstellte und sich in die Decken hüllte. „Das Sprechen strengt mich an.“

„Ich? Es gibt nichts zu erzählen von mir,“ wich Georg aus.