„Gärtnereien, sagst du?“
„Jawohl, Gärtnereien!“
Wiederum Gelächter. Was hier wachsen solle? Auf diesem Boden – nichts als Sand!
Aber der alte Maurer mit dem Schlapphut kam Georg zu Hilfe. „Worüber lacht ihr denn, ihr Narren?“ rief er. „Man kann auf den ersten Blick sehen, daß ihr nie aus der Stadt herausgekommen seid und vom Boden nichts versteht.“ Und er erzählte umständlich, mit allen Einzelheiten, von einem Garten, den er vor zwanzig Jahren aus einem Sandhaufen geschaffen hatte. Schon nach zwei Jahren blieben die Leute stehen, so sah der Garten aus, und schon im dritten Jahre blühten darin die Fliederbüsche. Im vierten Jahre aber, da kam er also eines Abends in den kleinen Garten, und was hörte er? – Der Alte streckte die Hände in die Höhe, rückte den Schlapphut mit den Pleureusenresten aus der Stirn und begann zu pfeifen – tüh – tüh – tüh. „Eine Nachtigall, ihr Leute! Mein Herz hat geschlagen, so schön sang die Nachtigall.“
Der kleine krummbeinige Schlosser machte eine verächtliche Handbewegung. Er wußte es besser als alle.
„Weshalb zerbrecht ihr euch die Köpfe?“ fragte er. „Wie? Was sie hier machen wollen? Geld wollen sie machen, aber nicht für uns! Es ist ja alles aufgelegter Schwindel. Unsere Arbeitsstunden sollen gebucht werden, und wenn du fünftausend Arbeitsstunden erreicht hast – im Laufe der Jahre, sooft du stellungslos bist –, so sollst du einen Morgen Land und eine Behausung bekommen. Wer soll das glauben? Es ist ja alles Schwindel und Lüge. Ich habe es euch ja oft gesagt: Es ist Schellenberg und kein anderer als Schellenberg. Wir werden uns schinden, und Schellenberg wird den Profit einstreichen. Ich habe ja bei Schellenberg gearbeitet. Er baut sich einen Palast im Grunewald, das müßt ihr gesehen haben. Ein halbes Jahr lang habe ich dort Erde gekarrt. Schellenberg hat sich ein Schwimmbad im Keller eingerichtet, hat man so etwas schon gesehen? So groß wie eine Reitschule. Da sind fünfzig Zimmer und Säle, und sogar die Diener haben Badezimmer. Da sind Ställe, Garagen, ein Bootshaus und ein Pavillon am See. Eine Küche so groß wie eine Kaserne, und alles aus weißen Kacheln!
Ihn aber selbst solltet ihr sehen, Schellenberg!“ fuhr der Schlosser fort und fettete sich den Schnauzbart mit den Fingern ein. „Wenn er in seinem Auto angefahren kommt, in einem Pelz, von oben bis unten, eine Bärenmütze auf dem Kopf. Und immer schöne Weiber hat er bei sich, und manchmal ist er schon am hellen Tag betrunken. Oh, man muß ihn nur gesehen haben, dann weiß man alles. Dieser Schellenberg hat in den letzten Jahren das Geld mit Scheffeln zusammengerafft. Niemand weiß, wie reich er ist! Und womit? Mit Holz und im Holzhandel. Er hat zehn Papierfabriken, ihr Leute. Es ist ja kein Kunststück bei den Hungerlöhnen, die er uns zahlt. Und die Regierung – sie stecken ja alle unter einer Decke – zahlt ihm noch zu, weil er die Arbeitslosen beschäftigt. So ist es. Häuser? Eine Stadt, Gärtnereien? Laßt euch nicht auslachen.“
In diesem Augenblicke öffnete sich die Türe, und herein sah schüchtern und scheu das runzlige Gesicht einer alten Frau. Auf ihrem Kopftuch lagen einige Schneeflocken. „Bin ich hier richtig?“ sagte die alte Frau. „Ist das die Station Lehmann?“
„Hier bist du richtig,“ antwortete der Kellner.
„Immer herein, Großmutter!“ schrie der Schlächter. „Was willst du denn?“