„Ich komme hierher zur Arbeit. Ich soll euch die Küche führen.“

Die Männer blickten einander an. „Was sollst du?“ Dann brachen sie in lautes Gelächter aus. Und sie lachten so sehr, und ihre Bemerkungen waren so derb, daß der alten Frau die Tränen in die Augen traten. Sie drehte sich verlegen und verletzt in ihrem abgeschabten Mantel. „Ihr seid ein loses Volk!“ schrie sie und bewegte heftig die Arme. Am liebsten wäre sie wieder zur Türe hinaus.

Dann aber begann sie hastig zu plappern, und ihre runzligen Lippen schienen nicht mehr zur Ruhe kommen zu wollen. Sie erzählte ihre Lebensgeschichte und verlor sich in Einzelheiten, die niemand verstand. Sie war Witwe, ihr Mann, ein Schreiner, seit Jahren tot. Sie hatte ein kleines Haus besessen und einen kleinen Garten. Und sechs Kinder hatte sie großgezogen und vier Töchter ausgestattet. Aber durch den Krieg hatte sie alles verloren. Und nun war sie alt und mußte wieder arbeiten.

Die Männer sahen einander an, brummten verlegen und schämten sich ihrer derben Späße.

Der Schlächter Moritz aber hatte genug Lebensart und wußte, was sich gehört. Er sprang auf, ging der Alten entgegen und schüttelte ihr herzhaft die Hand. „Nun schön!“ rief er aus. „So bleibe bei uns, Großmutter! Hoffentlich kannst du gut kochen. Wir essen hier fein auf der Station. Wir werden dich neben den Ofen hinpacken, da hast du es warm. Komm, gib den Mantel her. So, und jetzt gib mir einen Kuß!“ Und wirklich wollte der Schlächter der alten Frau einen Kuß geben.

„Du bist ein loser Vogel!“ rief die Alte und stieß ihn zurück. Sie lachte, während die Tränen auf ihren runzligen Wangen noch nicht trocken waren. „Ei, was für ein loser Vogel ist er doch!“ und sie gab dem Schlächter eine kleine gutgemeinte Ohrfeige.

„Ah, da hast du es, Moritz!“ schrien die Männer. Die Bekanntschaft war geschlossen.

„Und das hier ist also deine Küche, siehst du!“

„Das ist die Küche?“ Die Alte lachte.

Ja, das sei die Küche. Ob sie ihr nicht vornehm genug sei? „Und die Bedienung, die wir haben, wie in einem erstklassigen Hotel. He, Henry, zeige der Großmutter, wie es bei uns hergeht.“