Henry, der Kellner, stand auf, klemmte ein schmutziges Handtuch unter den Arm und tat, als serviere er. Einen Teller auf der Hand balancierend, rannte er mit kurzen, schnellen, komischen Schritten von der Küche in die Mitte des Zimmers, wo er unsichtbaren, an einer Tafel sitzenden Gästen aufwartete. Er beugte sich vor, drehte die Platte auf den Fingern, damit der Gast bequem abheben konnte, richtete sich auf und schob sich neben den nächsten Gast. Sein Gesicht war von tödlichem Ernst. Zuweilen tat er, als mache er einem zweiten Kellner, vielleicht einem Pikkolo, Zeichen mit den Augen. Dann rannte er mit denselben komischen Schritten wieder in die Küche zurück.

Die Männer brüllten vor Lachen, und in der Tat, Henry spielte diese Szene mit unglaublicher Komik. Auch die Alte lachte, daß ihr die Tränen über die Wangen liefen.

In diesem Augenblick ließ auch schon der Schlosser seine Kunst hören. Er ahmte einen ganzen Käfig voller Hühner nach, und die Alte glaubte wirklich eine Weile, daß in der Ecke Hühner seien.

„So also geht es bei euch zu!“ schrie sie.

„Jawohl, Großmutter, so und nicht anders!“ rief der Schlosser und gab ihr einen derben Schlag auf die Schulter. „Wir werden dich nicht fressen. Es wird dir gut bei uns gefallen!“

24

Den Männern, die Familie hatten, war es freigestellt, jeden Sonnabend zu ihren Angehörigen in die Stadt zu fahren. Am Montag kehrten sie zurück. Einzelne kamen nicht wieder. Der Arbeitsnachweis der Gesellschaft hatte sie in ihrem Beruf irgendwo untergebracht. Den Unverheirateten aber sollte erst nach einigen Wochen ein Urlaub gewährt werden. Es hing ganz davon ab, wie Lehmann mit ihnen zufrieden war. Georg hatte ihn schon am ersten Sonnabend um einen Urlaub gebeten.

„Nicht daran zu denken,“ antwortete Lehmann mit einem Lächeln. „In vier Wochen vielleicht.“

Nun, auch vier Wochen würden wohl vergehen.

Georg hatte sich im Walde rasch erholt. Am Anfang, da zitterte sein entkräfteter Körper unter den Anstrengungen der schweren Arbeit, und des Morgens, wenn der Lärm der Kameraden ihn weckte, war es ihm oft kaum möglich, sich vom Lager zu erheben. Er war in Schweiß gebadet, die Füße trugen ihn kaum. In der zweiten Woche aber fühlte er seine Kräfte langsam zurückkehren, und in der dritten Woche war es ihm, als ob er seit Jahren diese schwere Arbeit verrichtete. Er war kein Riese, wie Moritz, daran war nicht zu denken, aber immerhin, er stellte seinen Mann.