An diesem Abend war es verhältnismäßig ruhig in der Baracke. Immer wieder sprach man von den Kommissaren und dem Auto und Henry Graf, der eigentlich Bollmann hieß.

„Und wie töricht, hast du gesehen, er drehte sich gleich um, als sie Bollmann zu ihm sagten. Er hätte einfach davonlaufen sollen.“

„Konnte er denn ahnen, daß es Polizisten waren? Jeder Mensch hielt sie für Bauleute. Natürlich konnte Henry das nicht ahnen. Nein, solch ein Pech!“

Und alle sprachen davon, wie Henry tanzte, mit dem Stöckchen und dem kleinen steifen Hut, wie man glaubte, daß er umfalle, wie er dicht am Boden kauerte und das Hütchen über dem Kopfe schwang und einmal den linken und einmal den rechten Absatz herausschleuderte und dazu in einer fremden Sprache sang. Nein, nein, war das möglich? Und nun also saß er im Kittchen.

Der Schneider wollte ein Konzert auf seiner Mundharmonika geben. Er kam aber nicht weit. „Hör’ auf, hör’ auf!“ klang es von allen Seiten.

So war es also nichts mit dem Konzert. Man spielte verdrießlich Karten, um die paar Abendstunden totzuschlagen, und wickelte sich frühzeitig in die Decken.

Es passierten noch andere Dinge im Lager Glückshorst. Da war zum Beispiel dieser kleine alte Maurer. Man erinnert sich, er trug einen Hut, einen großen Schlapphut mit den Resten einer Pleureuse daran. Er war alt und lief den andern nur in den Weg und störte bei der Arbeit, und wenn er ging, so wackelte sein hängender Hosenboden. Dieser alte Maurer, der eines Abends von seinem Gärtchen erzählt hatte und zum Ergötzen der Kameraden den Versuch machte, die Stimme einer Nachtigall nachzuahmen, er war eines Abends verschwunden. Man bemerkte es nicht. Erst am andern Morgen fiel es seinem Nachbar auf, daß das alte Männchen fehlte. Nun gab es im Lager natürlich dann und wann Durchbrenner, die sich mit der Einsamkeit im Walde und mit den Arbeitsbedingungen der Gesellschaft nicht aussöhnen konnten. Aber er, der Alte, ganz unmöglich! Viele Wochen war er schon da.

Man suchte also, und man sah Fußstapfen, Schritte, die in den Wald hineinführten, immer tiefer. Und dort also, an jenem Baum, da hing er. Der Alte hatte sich erhängt.

Am Baum war ein Zettel befestigt, worauf stand: „Alles, was ich erarbeitet und erspart hatte, habe ich verloren. Ich bin zu alt, um von vorn anzufangen. Betet für meine Seele!“

Es gab eine richtige Beerdigung im Walde. Zuerst wollte man ihn im Friedhof des Dorfes begraben. Aber nach einer längeren Debatte am Abend mehrten sich die Stimmen, die für eine Bestattung im Walde waren.