„Gut, ich komme.“
Michael Petroff erhob sich und machte langsam und sorgfältig Toilette. Der Pfleger kam zurück und bat ihn, sich beeilen zu wollen. Michael Petroff band sich sorgfältig die Krawatte. „Ich komme ja schon,“ sagte er unwillig, „ich kann doch nicht halb angekleidet einen Besuch machen.“
Endlich war er fertig; er besah sich noch rasch im Spiegel, strich den Schnurrbart zurecht und ging hinaus.
„Herr Kapitän!“ flüsterte der kleine Advokat durch die Türspalte, denn das Klopfen und Sprechen in Petroffs Zimmer hatte ihn noch ängstlicher gemacht. „Ich flehe Sie an —!“
„Ich habe Eile“, antwortete Michael Petroff und schritt den Korridor entlang. Er hörte Engelhardt in seinem Zimmer deklamieren: „Wir stehen zu dir, zerstöre nicht den Dom der Welt, gepriesen sei dein Name!“ Und mit veränderter, keuchender Stimme fuhr Engelhardt fort: „Ich kämpfe, ich kämpfe —!“ Oben im ersten Stock ging ein Schritt hin und her, ruhelos, immer auf und ab, wie das ferne Stampfen einer Maschine.
Da öffnete der Pfleger die Tür zu dem Zimmer des „Rajah“ und Michael Petroff trat ein.
„Guten Morgen!“ sagte er laut und heiter, als sei es lichter Tag und der „Rajah“ nicht dem Tode nahe. „Guten Morgen, Doktor! Hier bin ich. — Guten Morgen — Fürst!“ fügte er nach einem Blick auf den „Rajah“ leiser hinzu. „Michael Petroff, Kapitän der russischen Armee.“
Der Anblick des „Rajah“ hatte Michael Petroff betroffen gemacht. Der „Rajah“ saß aufrecht im Bett, die großen schwarzen Augen auf ihn gerichtet. Ihm zu Häupten brannte eine verschleierte elektrische Lampe, aber trotz des Halbdunkels leuchtete das von schwarzen Haupt- und Barthaaren umrahmte Gesicht des „Rajah“ wie dunkles Gold, ja, es glänzte. Und gerade dieses Glänzen hatte Michael Petroff betroffen gemacht, so daß er leiser sprach und die Anrede „Fürst“ gebrauchte. Er hatte eigentlich nie ernsthaft darüber nachgedacht, wer der „Rajah“ war. Er war ein Fürst, der irgendwo ein großes Reich besaß, in der Verbannung lebte, nun, Michael Petroff glaubte es, ohne sich dabei etwas zu denken. In diesem Augenblicke jedoch begriff er, daß der „Rajah“ ein Fürst war, und er veränderte vollkommen seine Haltung.
„Sie beliebten mich rufen zu lassen?“ sagte er, etwas verwirrt und unsicher, und verbeugte sich.