Michael Petroff aber hatte sich, unbekümmert um alles, zu Bett gelegt. Er lag, die Arme unter dem Kopf, und dachte über einen geeigneten Titel seiner Zeitung nach. Denn diesmal wollte er den Doktor überrumpeln, packen, — ja, warte nur! Was aber sollte ein Titel wie der „Unparteiische“ sagen, bitte schön? War damit diesem hartgesottenen Doktor beizukommen? Wie? O nein, nein, ganz und gar nicht. Der Titel mußte nach Feuer und Schwefel riechen, wie ein Schwert, das geschwungen wird, mußte er sein, wie die Öffnung eines Gewehres, das auf den Doktor gerichtet war. — Doktor März mußte erschrecken, wenn er den Titel las! Und nach langem Nachdenken entschloß sich Michael Petroff, seine Zeitung diesmal „Schwert des Erzengels“ zu nennen. Er sah diesen Erzengel deutlich dahinfahren, schräg, mit fürchterlich wehenden Gewändern und erschreckend verzerrter Miene, das Schwert mit beiden Händen ein wenig nach hinten geneigt in die Höhe haltend. Und dieses Schwert, das rasiermesserscharf und hinten sehr breit war, schlitzte das Firmament auf, und ein dampfender blutroter Streifen wurde sichtbar. Dieser rote dampfende Streifen erfüllte Michael Petroff mit einem starken Wollustgefühl. Er setzte sich auf und sagte: „Warte nur, haha!“

Plötzlich aber legte er die Hand über die Augen. Ein dunkler, wehmütiger Schmerz hatte ihn überfallen, und er wußte nicht warum.

„Michael Petroff —?“ sagte er leise, „Michael Petroff —?“ und Tränen traten in seine Augen. So, die Hand über den feuchten Augen und einen dunkeln Schmerz im Herzen schlief er ein.

Er lag in tiefem Schlaf, als ihn ein Pochen an der Tür weckte: „Ich bin es, der Pfleger, erschrecken Sie nicht.“

„Was gibt es?“

Der Pfleger trat ein und sagte halblaut: „Herr Doktor März läßt Sie ersuchen zu kommen. Der Lehrer möchte Sie sprechen.“

„Der Lehrer?“

„Der ‚Rajah‘, Sie wissen ja.“

„Sie wissen nicht, was er von mir will?“

„Nein, Doktor März läßt Sie ersuchen.“