Doktor März trat an die Türe des Schuhmachers. Es war totenstill darinnen. Er öffnete und lauschte: Engelhardt — schlief! Tief und regelmäßig ging der Atem . . . Doktor März schüttelte den Kopf und verließ nachdenklich den Pavillon. Auf der Treppe zum Garten zündete er sich eine Zigarre an und stülpte den Rockkragen hinauf. Ihn fröstelte.

Nun schläft er, dachte er, während er durch den nächtigen Garten ging, dessen Büsche lange fahle Schatten warfen. Ist irgendein Zusammenhang zwischen dem Tod des Lehrers und dem Schlaf Engelhardts anzunehmen? Und er dachte weiter an einen Kollegen, der auf jeden Fall einen Zusammenhang konstruieren würde, und daran, daß er sich jetzt auf eine Tasse starken Kaffees freue, — da blieb er leicht erschrocken stehen: im Mondlicht bewegte sich ein kleiner vermummter Mensch. Es war der Advokat.

Der kleine Advokat hatte die ganze Nacht zitternd und frierend in seinem dunklen Zimmer verbracht. Aber als der erste Hahn krähte, hatte er sich aus dem Pavillon geschlichen, um seine Blumen zu begießen.

„Pst, pst!“ flüsterte er den tausend Vögeln zu, die in den Büschen zu zwitschern begannen, sobald er sich näherte. „Schlaft noch ein wenig, ihr Kleinen!“

Und als er die Blumen begoß, hatte er die Nacht, den „Rajah“ und Engelhardt, der eine Seele brauchte, vergessen und lächelte. „Guten Morgen, ihr Lieblinge,“ sagte er leise und nickte, „da bin ich, da habt ihr mich wieder.“

Im Zimmer Michael Petroffs aber brannte Licht.

Michael Petroff saß an seinem Schreibtisch, lächelnd und gutgelaunt, und schrieb eifrig. Denn der Eindruck, den der Tod des „Rajahs“ auf ihn machte, hatte sich ebenso rasch verflüchtigt, wie die Tränen, die er um ihn geweint hatte. Nun arbeitete er an einem Artikel, den er als einen ungeheuer wertvollen Beitrag für seine Zeitung betrachtete. Und das gab ihm die heitere, leichte Laune.

Mit den saubersten Buchstaben schrieb er:

„Telegramm! Der Rajah von Mangalore — gegen dessen Exilierung wir bei der englischen Regierung telegraphisch Protest erhoben haben — ist heute nacht um drei Uhr sanft entschlafen. Wir hatten die Ehre, bei seinem Hinscheiden gegenwärtig zu sein und den letzten Willen des hohen Herrn aufzuzeichnen. Er sei unseren Lesern mitgeteilt: