Johann ausbrechend: Vater im Himmel, warum läßt du die Gerechten leiden und führst die Lügner zum Siege?
Roll. Die holländischen Brüder haben sich aufgemacht und sind auf dreißig Schiffen ausgezogen. Die Schiffe wurden von den Reitern des Herzogs von Geldern überwältigt und mit Mann und Maus verbrannt.
Alle. Wehe! Wehe! – Reue! Reue! Tut Buße!
Roll. So stand ein böser Stern über den Zügen der Täufer allerorts. Dies ist der Grund, Johann, weshalb du vergeblich warten wirst, daß die Brüder nach Münster kommen. In Holland, im Kölnischen, in Friesland, überall wimmelt es von Reisigen und Knechten. Das ganze Münsterland ist überzogen von ihnen wie eine Wunde mit Fliegen. So viele Hunde bei einem Jagen über den Hirsch fallen, so viele Kriegsknechte fallen jetzt über den Täufer. Er muß sich in den Wäldern und im Schilf verbergen wie ein Tier.
Rottmann. Furchtbar sind deine Botschaften, Roll! Alle bedecken das Gesicht.
Roll. Die Zeit der Prüfung ist für die Brüderschaft gekommen. Wappnet eure Herzen und seid stark im Glauben! Er taumelt. Ich bin am Ziel, ihr Freunde. Der Gram hat mein Herz zerfressen. Es war zuviel. Die Folterknechte des Bischofs haben mir die Brust zerrissen. Dank dem Vater im Himmel, daß ich euch noch sehen durfte. Die Welt hat sich heute so weit von der Wahrheit verirrt, daß sie den Rückweg nicht finden kann. Er taumelt, man stützt ihn. Führt mich hinweg, Brüder. Legt mich in einen Winkel unter eine Treppe, legt mich in einen dunkeln Stall zu den Tieren. Ich will sterben! Während er weggeführt wird. Der Herr aber spricht: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist ein Reich im Geiste und kein irdisches Reich.
Johann von Entsetzen gepackt, beugt sich vor. Was sagst du, Bruder? Sprich!
Roll. Daß ich bei euch, ihr Brüder, sterben darf –! Süß ist der Tod ...
Sie führen ihn fort.
Dusentschur hat sich gegen Schluß der vorigen Szene erhoben und seinen Platz verlassen. Wie ein Träumender wandelt er, verklärt, ein verzückter Tänzer. Wer ruft? – Wer ruft? – Hier bin ich. Hier bin ich, Dusentschur. Was rufst du mich, Herr? Hier bin ich, dein Knecht.