Divara bedient Wenzel von der Langenstraaten, der auf einer der breiten, niedrigen Polsterbänke, rechts von der Treppe, sitzt. Er ist in bequemer Kleidung und sieht gesund, frisch und blühend aus. Sie badet ihm in einer Zinnschüssel Hände und Füße. Mägde reichen Zinnkannen und Linnen, Essenzen usw. Zuweilen geht eine Magd durch das Zimmer, ein Bote die Treppe hinauf usw. Man sieht, daß Johanns Hofhaltung umfangreich und geregelt ist. Divara ist sorgfältig, kostbar aber schlicht gekleidet.
Divara. Fühlst du dich jetzt wohler?
Wenzel. Ich fühle mich wie neugeboren und danke Euch von ganzem Herzen.
Divara. Du warst sehr erschöpft vom Kampfe und fast ohnmächtig.
Wenzel. Als ich den Wall bestieg, warfen sich die Zimmergesellen wie Wölfe über mich und schlugen mich und den Feldobersten nieder. Ich war mehr tot als lebendig. So rasch geschah es.
Divara. Du bist wohl noch wenig erfahren in den Waffen. Lächelnd. Wie alt bist du?
Wenzel. Neunzehn Jahre.
Divara. Dann bist du gewiß noch nicht lange im bischöflichen Lager? Wie ist dein Name?
Wenzel. Ich heiße Wenzel Graf von der Langenstraaten und bin ein Vetter des bischöflichen Feldobersten Meinhard. Im Lager bin ich seit Pfingsten.
Divara. So müßte ich dich eigentlich gnädiger Herr oder Erlaucht nennen, Wenzel. Aber in der heiligen Stadt Zion gibt es nur Brüder und Schwestern. Das hochmütige Herz der Menschen kann Titel und Erhöhungen nicht ertragen. Gnädig ist nur Gott und erlaucht sind allein seine Propheten. – Gib das Linnen, Barbara. Sie trocknet ihm die Füße damit.