Wenzel erstaunt und fast belustigt, während er errötet: Was tut Ihr?
Divara. Man hat dir wohl von den Gebräuchen der Altväter erzählt, von Abraham, Jakob? Dann weißt du auch, daß ihre Frauen den Gästen die Füße badeten, wenn sie in ihr Haus traten. Wir eifern ihnen nach. Die Propheten lehren, daß das eitle Herz der Frauen sich täglich und stündlich demütigen muß, um nicht hoffärtig zu werden. Hoffart aber ist die größte Sünde, die Gott nur schwer verzeiht. So sind die Frauen von Münster auch gehalten, alle niedrigen Dienste, die das Leben erfordert, abwechselnd zu verrichten, zur Übung der Demut. Wir dienen einer dem andern.
Wenzel belustigt: Verzeiht mir, ist die Frage erlaubt: behandelt ihr alle Gefangenen mit gleicher Milde?
Divara. Wir sind heftig im Kampfe, ihr da draußen habt der Brüderschaft zuviel Leids zugefügt. Fällt aber ein Feind in unsere Hand, so behandeln wir ihn wie einen Bruder. Er mag bei uns leben und in die Brüderschaft eintreten.
Wenzel. Wenn er sich aber weigert?
Divara. Nun, so muß er sterben. Dies ist das Gesetz.
Wenzel. Ah!
Divara. Fürchte nichts. Bis heute haben noch alle Gefangenen die Taufe angenommen und sich zur reinen Lehre bekehrt.
Eine Magd tritt ein: Divara, Hille Feiken ist hier.
Divara horcht auf: Hille Feiken? Was will sie?