Graf Seedorf. Es sind allerdings noch gewisse Schwierigkeiten, gewisse, wie soll ich sagen?

Dr. Melchior. Schwierigkeiten?

Graf Seedorf. Es ist dem Kurfürsten zu Ohren gekommen, daß der Bischof beschlossen hat, die evangelische Lehre in Münster mit der Wurzel auszurotten und alle Evangelischen in der Stadt mit dem Schwerte zu richten, einerlei, ob sie wirkliche Täufers seien oder nur Verführte.

Dr. Melchior. Seht mich hier sitzen, Graf Seedorf! Ich rufe Gott zum Zeugen an. Er soll mich augenblicklich vor Euren Augen tot zu Boden strecken, wenn all das nicht bösartige Verleumdung und Lüge ist.

Graf Seedorf. Hätte der Bischof nicht den evangelischen Gesandten Dr. van der Wiek in Iburg enthaupten lassen, so wäre ja der Argwohn der evangelischen Fürsten leichter zu beschwichtigen.

Dr. Melchior windet sich: Da kommt Ihr wieder mit der unseligen Sache! Flüsternd. Seine Fürstliche Gnaden bereuen selbst diese übereilte Handlung. Seine Fürstliche Gnaden haben den evangelischen Fürsten jede Genugtuung angeboten. Ganz im Vertrauen, Graf Seedorf, es ist nur für Euch bestimmt. Stehen die evangelischen Fürsten dem Bischof nicht im Kampfe gegen diese Höllengeister bei, so wird er gezwungen sein, sich mit dem Hofe von Brüssel-Brabant zu verbünden, der Hilfe und Geld anbot. Wie es dann um die evangelische Lehre und evangelischen Prediger im Stift Münster stehen wird, könnt Ihr Euch wohl ausmalen. Die Spanier haben das Stift Lüttich verschluckt und das Land des Herzogs von Geldern. Sie werden auch das Stift Münster verschlingen mit allen Städten, Dörfern, Klöstern und Gemeinden. Bemüht Euch beim Kurfürsten, ich sehe keinen andern Weg mehr. Es geht um das Christentum. Die Täufer sind ebenso Feinde der evangelischen wie der katholischen Kirche.

Graf Seedorf. Wahr, sehr wahr, Doktor!

Dr. Melchior. Wie gut, daß Ihr gekommen seid! Und wir alle sind glücklich, daß der Kurfürst gerade Euch gesandt hat, Graf Seedorf! Wüßte der Kurfürst von Sachsen, Euer milder und erlauchter Herr, welche Gefahr der gesamten Christenheit droht, er würde nicht eine Stunde länger zögern! Er gerät in Eifer. Spitzbuben, Galgenvögel, Zuchthäusler und landfremdes Gesindel – das sind heute die Herren in Münster! Alle Strolche und Taugenichtse des ganzen Landes hat Johann nach Münster gezogen, indem er ihnen Wohnung, Nahrung und Kleidung versprach. Und seine Kriegsknechte bezahlt er mit gestohlenem Golde. Seht her, Wartet. Er kramt in den Papieren. Nicht nur, daß sie – deutet in die Richtung von Münster – die heiligen Sakramente schändeten und ein Sodom aus Münster gemacht haben – es gibt keine Greuel, die sie nicht verüben. Sie lesen Spottmessen in den Kirchen, in greulichen Vermummungen. Sie haben die Kirchengewänder zerschnitten und Wämser für ihre Weiber daraus genäht. Sie haben Gemälde und Bildwerke aus den Kirchen gerissen und verbrannt. Gott, sagen sie, wolle nur im Geiste angebetet werden und alles Bildwerk sei wider Gott. Ei, sie müssen ja wissen, was Gott will, die Galgenstricke! Sie haben sogar die silbernen Särge der Reliquien zertrümmert und eingeschmolzen.

Graf Seedorf. Ist es möglich? Dr. Melchior?

Dr. Melchior. Möglich, Graf Seedorf, was ist bei ihnen nicht möglich? Sie haben die Glocken aus den Gestühlen genommen und daraus Geschütze gegossen. Seht, was sie allein aus der Kapelle von St. Martini geraubt und geplündert haben. Rasch: Zwei silberne Engel, jeder acht Pfund schwer. Zwanzig Kerzenstöcke von Silber, einhundertsiebzig Pfund im Gewicht, im Werte von fünfhundert Gulden.