Graf Seedorf bleibt an einem der beiden Bogenfenster stehen und blickt hinaus: Das also ist Münster! Mit einem leisen Lachen. Und dort sitzt er, der Schneider Johann! – Aber weshalb brennen sie Feuer auf den Wällen, Dr. Melchior?
Dr. Melchior blickt auf, mit rotem Kopf: Es sind Freudenfeuer, Graf Seedorf. Sie wissen in ihrem Übermut nicht, was sie tun sollen. Ächzt. Ihr habt Euch einen schlimmen Tag ausgewählt zu Eurer Ankunft im bischöflichen Feldlager.
Graf Seedorf. Ich bin glücklich, daß ich nicht gestern eingetroffen bin.
Dr. Melchior. Ja, bei der gebenedeiten Jungfrau, Ihr könnt Euch in der Tat glücklich schätzen.
Graf Seedorf. Der Bischof hat gestern, wenn ich so sagen darf, mit wenig Waffenglück gekämpft.
Dr. Melchior. Es war ein unseliger Tag, Graf Seedorf, erinnert mich nicht daran. So hoffe ich nur, daß die Botschaften, die Ihr vom Kurfürsten von Sachsen bringt, günstig sein mögen und ein Trost für das Herz des Bischofs?
Graf Seedorf. Ich hoffe es, Dr. Melchior. Ich glaube in Aussicht stellen zu können, daß der Kurfürst bald wichtige Entschlüsse fassen wird, um der Sache des Bischofs zu dienen. Luther hat seinen ganzen Einfluß geltend gemacht. Er ist nicht gut auf die Täufer zu sprechen.
Dr. Melchior. Hm!
Graf Seedorf. Sagtet Ihr etwas?
Dr. Melchior. Nichts, nein, wie sollte ich? Ihr seht, ich atme auf, Graf Seedorf.