Graf Seedorf. Verzeiht, ich mußte lachen. Denn eine solche Geschichte habe ich in meinem ganzen Leben nicht gehört. Und fünfzehntausend Gulden, sagt Ihr, kostete die Orgel? Das wird den Kurfürsten interessieren.
Dr. Melchior erregt: Aber hört weiter, Graf Seedorf, und vielleicht wird Euch das Lachen vergehen. Wenn Johann Bokelson aus Leyden den Sieg davontragen sollte, dann wird es weder Grafen, noch Barone, noch Junker, noch privilegierte Stände mehr geben.
Graf Seedorf erschrocken: Wie meint Ihr das? Wie soll ich das verstehen?
Johann von Raesfeld, der Kämmerer des Bischofs, kommt aus den bischöflichen Gemächern. In geistlicher Tracht. Er ist dunkel, leidenschaftlich, kränklich, ehrgeizig, gallig. Verächtliche Miene, grausame Augen. Unruhig. Verbeugt sich vor Graf Seedorf mit großer Herzlichkeit und Ehrerbietung: Seine fürstliche Gnaden schätzen sich glücklich, Euer Erlaucht zu begrüßen.
Er geleitet Graf Seedorf zum Vorhang. Verbeugungen. Graf Seedorf ab.
Johann von Raesfeld. Sie sind immer die gleichen, die Freunde Luthers. Kalt und hochmütig. Man weiß nicht, woran man ist. Ich mißtraue den Lutherischen.
Dr. Melchior. Und sie mißtrauen uns!
Johann von Raesfeld. Ich hätte Lust, den Gesandten des Kurfürsten dorthin ans Fenster zu führen und ihm zu sagen: Hier, Euer Erlaucht, betrachtet das Babylon seiner Majestät des Satans! Es ist Euer Werk, das Werk Luthers! Es ist die lutherische Saat, die in Münster so herrlich aufgegangen ist. Ist es wahr, oder ist es eine Lüge, Dr. Melchior: es gibt keine Täufer, die nicht zuvor Lutheraner gewesen sind.
Dr. Melchior. Es ist so wahr, wie das Evangelium selbst!
Johann von Raesfeld. Und nun ist es dahin gekommen, daß wir den lutherischen Ketzern Schmeicheleien ins Maul schmieren und sie bitten müssen, das Feuer löschen zu helfen, das Luther mit seinen Ketzereien entfachte. Er wirft sich in einen Stuhl. Zuweilen ist solch ein Ekel in mir, Dr. Melchior, daß ich mich hinlegen möchte und sterben.