Dr. Melchior. Ihr solltet auf Eure Galle Rücksicht nehmen.

Johann von Raesfeld. Sechshundert Mann und sechzig Hauptleute verloren! Und dazu die Demütigung vor dem ganzen Lande, von diesem Ketzer und Antichrist, diesem Schneidergesellen aus Leyden geschlagen worden zu sein. Habt Ihr gehört, wie sie sangen, die ganze Nacht hindurch, auf den Wällen, Hohn und Spott!

Dr. Melchior. Ich habe nicht ein Auge geschlossen in dieser Nacht.

Johann von Raesfeld erhebt sich wieder, unruhig: Noch jetzt tritt mir der kalte Schweiß auf die Stirn, denke ich daran, was geschehen wäre, wenn Johann, dieser von tausend Teufeln Besessene, auf den Gedanken gekommen wäre, das Lager zu überfallen.

Dr. Melchior. So schlimm stand es, glaubt Ihr?

Johann von Raesfeld. Meister Melchior, der Himmel hat uns beschützt. Hätte Johann den Überfall gewagt: das ganze Lager wäre in seine Hand gefallen. Mit Geschütz, Pulver, Blei, Korn, Vieh! Alles hätte er gewonnen!

Dr. Melchior. Heilige Mutter Gottes!

Johann von Raesfeld. Das Schlimmste hat der Himmel verhütet. Aber doch fürchte ich, die Wirkung unserer Niederlage wird unheilvoll genug sein im ganzen Lande. Die Verwirrung der Geister und Seelen wird sich noch mehren. Alle Unzufriedenen, alle Schwankenden und Schwachen werden sich auf Johanns Seite schlagen. Sagen die Bauern nicht schon, der Stern, der Nachts über Münster steht, sei der Stern Christi? Ich wollte, ich wüßte nichts mehr von dieser Welt.

Ein Offizier tritt ein.

Johann von Raesfeld. Was gibt es Neues, mein Freund? Nichts Gutes, fürchte ich.