Johann von Raesfeld. Was soll das heißen? Ist Rebellion im Lager des Bischofs ausgebrochen? Legt sie in Ketten!
Offizier. Wenn ich sie in Ketten lege, so verläuft sich heute noch das ganze Lager. Sie entlaufen ohnehin in ganzen Haufen. Achtzig Knechte der Stadt Deventer sind heute nacht nach Münster übergegangen.
Johann von Raesfeld streng: Was fordern sie?
Offizier. Sie verlangen den rückständigen Sold. Weiter fordern sie künftig doppelte Löhnung. Wird ihre Forderung nicht bewilligt, so drohen sie, einfach abzuziehen.
Johann von Raesfeld. Herrlich, wunderbar! Soweit ist es gekommen durch die Milde des Bischofs. Die Landsknechte schicken Deputationen und fordern Sold! Früher hätte man ihnen die Köpfe abgeschlagen. Was habe ich geraten, Dr. Melchior? Man kann das Volk nur mit Galgen und Schwert bändigen, die menschlichen Leidenschaften sind zu tierisch. Die Knechte sollen warten, bis die Feldobersten von der Tafel kommen.
Offizier. Ein Weib aus Münster wurde an den Laufgräben gefangengenommen. Sonderbar geschmückt, mit sonderbarem Gebaren. Sie erscheint merkwürdig.
Johann von Raesfeld. Diese münsterischen Weiber sind eine neue Plage geworden. Gott hat es in seiner Weisheit so eingerichtet, daß auf jedes Weib ein Mann trifft. Trifft ein Mann auf drei Weiber, so verlieren alle drei Weiber die Sinne.
Offizier. Wir haben sie in scharfes Verhör genommen. Sie verlangt den Bischof zu sprechen. Sie will ihm wichtige Mitteilungen machen. Aber nur dem Bischof persönlich will sie sich anvertrauen.
Johann von Raesfeld. Sonst hat sie keinen Wunsch? Will sie nicht zur bischöflichen Tafel geladen werden?
Offizier. Sie tut sehr geheimnisvoll. Sie sagt, sie wolle dem Bischof die Schlüssel der Stadt Münster übergeben.