Dr. Melchior. Sie liegen bereit.
Bischof. Vernichtet sie. Entwerft neue. Wir haben dringlich geschrieben – wir müssen schreiben wie sengendes Eisen! Das Jüngste Gericht steht am Himmel! Er geht einige Schritte, bleibt stehen. Besser noch, Freund Raesfeld: wir werden uns persönlich zu den Fürsten begeben. Bereitet alles zur Reise vor. Wie Bettler werden wir vor allen Residenzen anhalten. Wir werden bemüht sein, einen Landtag zusammenzurufen. Niemand sieht, ihr Herren, daß die rote Hölle in Münster aus der Erde schlägt. Was soll geschehen, wenn Johann triumphiert? Die Welt wird sich in ein Meer von Blut verwandeln, in dem die Kirche und die Christenheit und alle Ordnung versinken. Geht zu den Stufen.
Johann von Raesfeld. Wollen Euer fürstliche Gnaden das neueste von Münster sehen? So belieben Euer fürstliche Gnaden durch das Fenster zu blicken. Die Turmspitze von St. Ägidi ist verschwunden! Die Täufer tragen die Spitzen der Türme ab. Sie sagen: was hoch ist, soll erniedrigt werden.
Bischof blickt auf: Ihr Herren! Mein Leben war sündhaft, aber doch glaube ich, soviel Gutes gewirkt zu haben, um der Ruhe im Grabe gewiß zu sein. Mit feierlicher Stimme. Aber, ihr Herren: Ich soll ruhelos sein im Grabe bis zum jüngsten Tage – so ich diesen Platz verlasse, bevor Münster gefallen ist! Er ist oben an der Treppe angelangt. Seine Augen funkeln. Ich will Münster dem Satan aus den Klauen reißen und sollte ich lebendigen Leibes dabei verbrennen! So wahr mir Gott helfe! Er geht. Die beiden verneigen sich tief.
Dr. Melchior schlägt das Kreuz: So habe ich unseren fürstlichen Herrn noch nie gesehen.
Johann von Raesfeld mit einem bösen Lachen: Nun soll er sich wohl in acht nehmen, der König Johann!
Vorhang.
Vierter Akt
Domplatz in Münster.
Auf den Stufen des Doms steht eine Art Thron mit kostbaren Kissen und Teppichen. Links und rechts davon einige kleine Sessel ohne Lehnen.