Stimmen: Johann!
Knipperdolling erhebt sich: Ich möchte raten, Johann Krechting zu Ende zu hören.
Johann. Willst du die Tore Münsters den Heiden öffnen, Knipperdolling?
Knipperdolling. Habe ich das gesagt? Ich riet nur, man soll Krechting zu Ende sprechen lassen.
Unterdrückter Beifall.
Johann Krechting. Es fand vor drei Tagen ein großer Rat im Feldlager des Bischofs statt. Alle Gesandten der Fürsten und Bischöfe waren zugegen. Die Katholiken waren für den sofortigen Sturm auf Münster. Die Evangelischen aber und freien Städte befürchten, der Bischof möchte die Stadt Münster zu hart anpacken, wenn er sie nimmt. Er möchte am Ende die Religionsfreiheit aufheben und Münster wieder zu einer rein katholischen Stadt machen.
Tilbeck. Der Fuchs ist schlau, aber sein Gestank verrät ihn!
Johann Krechting. Die evangelischen Fürsten und freien Städte bestanden mit all ihrer Macht darauf, daß noch ein letzter Versuch des Vergleiches und Ausgleiches gemacht werden sollte, bevor der blutige Kampf anhebt. So mußte der Bischof sich also beugen, so hart es ihn ankam. Dies aber ist, was der Bischof und seine Verbündeten euch zum Vergleich vorschlagen: Laut und deutlich. Allen Bürgern und Kriegsknechten Münsters bietet der Bischof freien Abzug, so sie die Waffen abgeben. Dir aber, Johann, und deinen Räten sichern er und die evangelischen Fürsten bei ihrem Eide ein billiges und mildes Gericht zu. Dusentschur erhebt sich und lacht schrill. Und nun überlege, Johann, denke noch einmal nach! Denke noch einmal recht sorgfältig nach. Die Sonne steht im Mittag. Unsere Frist läuft ab.
Johann erhebt sich rasch: Nehmt unseren Dank und unsere Achtung, Johann Krechting und ihr Freunde. Eure Absicht ist gut. Aber was wir beschlossen haben, das bleibt beschlossen.
Kehrt in das Lager zurück, Freunde, und berichtet dem Bischof, wir fürchten nicht Geschütze und Kriegsvolk. Wir brauchen auch die Fürsprache der evangelischen Gesandten nicht! Möge der himmlische Vater ihnen und dem Bischof gnädig sein! Auf unserer Seite streitet Gott und das Recht, auf eurer Seite streiten Lüge und Tyrannei. Wir sind willens, zum Schutze des Wortes Gottes alles auf uns zu nehmen und wollen lieber bis zum letzten Mann untergehen, als Gottes auserwählte Stadt übergeben. Sagt dem Bischof, und wenn nur fünf Brüder in der Stadt zurückbleiben sollten, so bin ich gesonnen, die Stadt mit den fünf Brüdern gegen ihn zu halten! Er setzt sich.