Wer konnte es fassen?
Ingeborg sollte sterben! Ingeborg, die liebliche, schöne Ingeborg!
Ingeborg, die die Sonne liebte und ihre Strahlen in der hohlen Hand sammelte, die die Bäume küßte und mit ihnen plauderte, Ingeborg, die betete und dankte mit den Blicken, die einem Falter nachsahen.
Ingeborg, die Liebe und Wärme in alle Herzen trug, die gütige, die sanfte Ingeborg! Nun sollte sie sterben.
Wer sollte das auch fassen können?
Still würde sie liegen, in die Erde würde man sie betten, da würde sie liegen, still in der schwarzen Finsternis, niemand würde sie mehr sehen! Konnten denn Ingeborgs strahlende Augen erlöschen? Nein, nein!
Niemand konnte das fassen.
Ich schüttelte den Kopf und tastete in die Finsternis hinein. Der Park brauste. In der Ferne bellte ein Hund, heißhungrig, fordernd, wie ein Raubtier. Er würde nicht früher aufhören zu bellen, ehe man seinen Hunger stillte. Ich kam an den Brunnen, und der Brunnen überschüttete mich mit Wasser. Dieses war Ingeborgs Brunnen, da saß sie —
Fassen, fassen! Ein Mann — ja, ein Mann faßte sich, ein Mann!
Der Schmerz packte mich plötzlich an den Schultern und warf mich aufs Gesicht nieder. Ich grub die Zähne in den Sand und schluchzte: