Natürlich kommt auch ein Page darin vor, du wirst es gleich hören, Ingeborg. Der Page hieß „Auge“, denn schöne Augen hatte er, das wußten alle Frauen.
Schön sind deine Augen, sagte Silvia, als sie ihn zum erstenmal sah. Wie im Traume sprach sie. Goldenes Herz liebte Auge, und Auge liebte goldenes Herz.
Sie trafen sich im Garten der Frauen und saßen die Nächte hindurch unter den Büschen, im verschwiegenen Schatten, den der Palast über den Garten warf. Da saßen sie und plauderten, und ich wußte alles was sie einander sagten. Auch Ingeborg wußte es und sie lächelte. Wieviele Nächte saßen sie da! Aber der Priester umschlich sie und in einer Nacht, die herrlich und duftend war wie keine, da geschah es. Zur Zeit der ersten Kirschenblüte hatten sie sich zuerst gesehen, als die Kirschen sich röteten, war es schon geschehen um sie.
Sie sollten sterben.
Der König lud allen Adel ein, wie zu einem Feste, und sie saßen gekleidet in den Glanz eines vielhundertjährigen Reichtums in den Galerien. Von weitem mochten sie wohl erscheinen wie Körbe voller Blumen, die die Gärtner zum Verkaufe ausstellten.
Silvia und der Page wurden hereingeführt, da erbleichten alle und ihre Gesichter wurden so weiß wie die Kerzen, die die Mönche trugen. Als die beiden niederknieten und die Henker hinter sie traten, da wurde es so still, daß jeder sein eigenes Herz klopfen hörte.
Der König sah aus wie eine Reliquie aus gelbem Wachse, wie sie in den Kirchen zu sehen sind. Silvia sah so schön und rührend aus, daß im Herzen des Königs ein Kampf zwischen Liebe und Rachedurst entstand.
Und er rief: „Der Königin steht eine Bitte frei! Doch das Leben des Buhlen bleibt in meiner Hand“.
Es war stille und die süße Mädchenstimme der Königin sprach: „Ich bitte, daß man den Sklaven, der des Nachts so traurig am Lido singt, in seine Heimat sendet“.
Der König lachte heiser.