„Der Königin steht eine Bitte frei“, rief er abermals und seine Stimme keuchte.
Da bat goldenes Herz, daß man sie vor dem Geliebten töte. Sie wollte nicht hören, wie sein Haupt fiel.
Aber der Geliebte widersprach. Sie solle den Himmel länger sehen als er, sagte er. Lange Zeit stritten sie hin und her, jeder wollte zuerst sterben. Die Frauen in der Galerie weinten. Und abermals machte sich Silvia bereit zu sterben.
Da erhob sich der König und beugte sich über die Galerie und keuchte und rief: „Der Königin steht noch eine Bitte frei!“ Und er bohrte seine Blicke in Silvias Augen.
Aber Silvia sprach nicht die Bitte aus, die er erwartete.
„Ich bitte meine Schuld bekennen zu dürfen“ sagt sie.
Der König fiel in den Sessel zurück und nickte.
Es war ein eigentümliches Sündenbekenntnis, Ingeborg, du wirst es hören.
Silvia begann und sagte, daß sie jung wäre und die Muttergottes bäte, ihr zu vergeben, daß sie erst siebzehn Jahre alt wäre.
„Lieber hätte ich siebzig Jahre alt sein wollen, als ich Königin würde. Aber möge mir die Muttergottes gnädig sein, daß ich jauchzte, so jung zu sein, als ich den Geliebten erblickte. Denn bei den Wunden des Erlösers, wäre ich alt gewesen, aus Gram darüber wäre ich in derselben Nacht gestorben.“