Ich stahl mich in die Remise. Ich lüftete die Decke, die über den Wagen gebreitet war. Bestaubt stand er da. Ich suchte in den Polstern, Staub um die Knöpfe, sonst nichts. Es war nichts zu finden.
Ich nahm den Hut und Stock und pfiff. Ich erinnerte mich, daß Pazzo ja nicht da war. Ich lächelte. Ich stieg die Straße hinab, dieselbe Straße. Deutlich konnte ich die Räderspuren herausfinden, auch Pazzos Spur. Er war gehetzt. Wie große Ausrufezeichen sahen seine Spuren aus. Ich kam an die Stelle, wo er den Wagen eingeholt hatte. Der Wagen hatte gehalten, Pazzo war in den Wagen gesprungen. Das sah ich alles aus den Spuren. Im Dorfe verschwand die Spur des Wagens, hinter dem Dorfe tauchte sie wieder auf. Sie zog mich durchs Tal, über den Berg hinüber, an Rote Buche vorbei. Da waren alle Läden geschlossen. Sie zog mich bis zur Station. Ich stand am Perron und blickte dem Geleise nach. Ein Beamter trat heraus und grüßte.
„Ich suche meinen Hund,“ sagte ich.
Ja, ach ja, dieser Hund. Es sei eine Wirtschaft gewesen. Der Hund wollte nicht außen bleiben. Er habe geheult und gewinselt. Die Fürstin wäre ganz ergriffen gewesen.
Soso.
Ich ging die Geleise entlang. Hier lag Sand, ich konnte Pazzos Spuren nicht entdecken. Diese Geleise. Sie glänzten. Ich berührte sie mit dem Finger. Ich sah ihnen nach. Sie erschienen mir so sonderbar. Sie zogen mich, zogen mich. Ich rollte auf ihnen dahin, flog, flog. Ich sah einen grellgelben riesigen Eichbaum am Bahndamm. Ich sah ihn mir an. Gewiß war er ihr aufgefallen.
Ich wurde zu einem Eisenbahnzug, sauste, flog durch die Wälder und Wiesen, die Wälder und Wiesen drehten sich mir entgegen. Wieder, da stand ich auf einer Station und sah auf einen Kopf hinter einer Scheibe. Ein runder, feiner Kopf, glatte goldene Haare, Lockenbüschel, die bis zur Schulter herabfallen.
Dann ging ich quer durch den Wald nach Hause. Immer stand ich auf dem Trittbrett des Wagens. Es jagte in meinem Kopfe. Meine Hände zitterten.
Ich hatte im geheimen gehofft, Pazzo anzutreffen. Er war noch nicht zurückgekommen. Nun, Geduld!
Ich hatte nicht daran gedacht, daß die Sonne untergehen würde, daß die Nacht heute kommen könnte. Aber alles ging seinen Gang, als wäre nichts geschehen. Plötzlich wurde alles rot, durchtränkt vom Blute der Sonne. Auch meine Hände. Friede und Schönheit überall, meine Brust tobte. Dann sah ich es mit Grauen dunkel werden, immer dunkler. Asche fiel auf die Erde. Finstere Schatten hoben sich aus den Wäldern, irrten hin und her und kauerten sich nieder. Es wurde still, so still wie es nie war. Schweigen, Schweigen. Nicht jenes Schweigen, das man noch hört, nein, ein tieferes unhörbares Schweigen, ein grauenhaftes Schweigen, das mich lähmte. Leer, alles leer.