Nun brach die Nacht an. Pazzo war noch nicht zurückgekehrt. Ich ging hin und her. Ich wartete, ja, worauf wartete ich denn? Ich wartete darauf, daß das Haus über mich zusammenbräche. Ich ging gedankenlos an den Flügel und schlug eine Taste an. Es war ein heller Ton, Ingeborgs Ton war es. Jeder Mensch hat seinen Ton. Mußte ich auch gerade Ingeborgs Ton unter den Finger bekommen.

Ich zündete eine Kerze an, aber die Flamme flüsterte, sie sprach, ein Gesicht erschien in der Flamme. Ich verlöschte sie wieder, viel zu viel wußte die Flamme.

Ich ging hin und her. Es war dunkel. Ich trat ans Fenster. Alles war schwarz. Selbst die Luft war schwarz. Die Sterne fielen vom Himmel und zersprangen auf den finsteren Äckern.

Mich fror.

Plötzlich sah ich ein Zimmer vor mir, eine Lampe war darin, zwei Menschen unter der Lampe, ein Gesicht rückte in den Lichtkreis. So deutlich sah ich es. Ich schloß die Augen.

Ja, Karl konnte Ingeborg haben, wenn Ingeborg nur wollte. Er ganz allein, ja. Er hatte nie ein Glück gekannt, Hunger und Sorgen und Nächte voller Arbeit, er hatte Ingeborg nötig. Dann war es Karl, der Dichter! Ich dagegen, wer war ich gegen Karl?

Ich würde auch allein leben können — ja auch allein, dachte ich und ging mit steifem Körper hin und her. Mich fror. Alles war leer, alles. Ich dachte an die Fußspur im Staube, an die Geleise in der Sonne. Ich sah wie jemand die Handschuhe abstreifte. Ich sah ein Gesicht, das in der Ferne entwich, ein Paar Augen, die kleiner und kleiner wurden. Ein Tuch flatterte im Walde.

Ich preßte die Finger auf die Augen und drückte die Daumen gegen die Schläfen. Ich saß und dachte, dachte, dachte immerzu.

Da hörte ich ein leises Wimmern, als ob ein Kind wimmere.

Ich erschrak.