Ja, ein Brief kam, von Ingeborg. Ich saß in meinem Zimmer und pflegte Pazzo. Pazzo schlief ununterbrochen und wandte den Kopf zur Seite, wenn ich ihm Wein reichen wollte oder gehacktes Fleisch. Seine Augen waren rot unterlaufen. Aber bald würde er gesund sein und dann war eine schöne Zeit gekommen. Wir würden den Winter ertragen können zusammen, die Tage, die Nächte, alles.
Da kam ein Brief. Die alte Maria reichte ihn mir, sie tat, als sei es gar nichts besonderes — und ich las die Aufschrift: er war von Ingeborg —
Der Bote hat ihn nicht umsonst gebracht.
Freunde, Freunde, Freunde und liebe Leute allesamt auf der Welt. — Nein, stille, stille!
War das Ingeborgs Schrift? Ja, das war sie. Ruhte hier Ingeborgs Hand? Ja, ja. Ingeborgs Lippen haben den Brief zugeklebt.
Weißt du, wie das ist, wenn einem Unglücklichen eine Freude zuteil wird? Es ist eine Sonne um Mitternacht, es ist als ob Gott selbst zu ihm eintrete, es ist — — nein, stille!
Ich nahm den Hut und ging in den Wald. Pazzo? Aber Pazzo blinzelte nur und lugte und bewegte den Schwanz ein wenig. In den Wald. Denn der Brief mußte im Walde gelesen werden. Noch war er nicht dunkel genug, noch war er nicht schön genug. Hurtig!
Immer tiefer ging ich in den Wald hinein, den Brief in der Hand. Da begannen ringsumher Glocken im Walde zu läuten. Die Erde läutete und die Bäume.
Ihre Wipfel schwangen sich hin und her und läuteten.
Ich ging dahin, getragen von dem Summen der dumpfen, feierlichen Glocken, sie läuteten, läuteten. Und ich suchte mir ein verstecktes Plätzchen, streckte mich ins Moos und lauschte auf das sonderbare, summende, feierliche Läuten um mich her.