So singt er, und die Mägde lachen, und die Burschen fassen sie um den Leib.
Da ist ein kleiner Bursche, ein Schneider, der den Mund weit aufreißt. Er behauptet keine Knochen zu haben. Er hat keine Knochen, prügeln kann man ihn, er spürt keinen Schmerz. Zwei packen ihn an den Händen und Füßen, schwingen ihn hin und her und schleudern ihn gegen die Türe, daß sie kracht. Er steht auf. Nichts hat er gespürt, er hat keine Knochen.
Die Knechte lachen, daß es dröhnt, und die Mägde kreischen.
Hermann Ecke lächelt. Er bezahlt und geht. Gottes Friede sei mit euch ihr guten Leute, spricht er.
Einige kichern und einer sagt: Amen!
Wenn sie alt geworden sind, so werden sie wissen, was es bedeutet, wenn einer sagt: Gottes Friede sei mit euch, ihr guten Leute.
Hermann Ecke wandert durch die holperigen dunklen Gassen des Dorfes. Wo ein helles Fenster ist, dahin schleicht er. Wie ein Dieb schleicht er um die Bauernhöfe und er blickt verstohlen in die erleuchteten Fenster. Eine Bäuerin knetet Teig und rollt ihn mit einem Holze aus, ein Bauer steht am Bette und entkleidet sich langsam. Eine junge Mutter badet ihr Kind, es strampelt, daß das Wasser gegen die Scheiben spritzt. Hin und her schleicht der Dieb und an dem hellen Fenster bleibt erstehen. Da sitzt ein Knabe und lernt. Er bewegt die Lippen und Hermann Ecke hört, daß er lernt. Dann versteht er des Knaben Worte. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth und alle Lande — heilig, heilig ist der Herr Zebaoth und alle Lande sind seiner Ehre voll. Heilig, heilig — Mutter! ruft er plötzlich laut, es steht wer am Fenster!
Der Dieb verschwindet in die dunkelste Gasse.
An einem Zaune wispert es. Der Dieb steht hinter einem Holzstoß und hört, was die beiden dort wispern. Es ist dunkel, aber er sieht ihre Gesichter und ihre Hände. Der Bursche nestelt am Mieder des Mädchens, es schimmert aus dem Mieder. Da knackt ein Ästchen.
Hm, sagt der Bursche und läßt die Hände sinken und geht näher.