Es ging nicht besser mit mir, nein.

Ich dachte es zuweilen, aber ich täuschte mich. Ich arbeitete viel. Ja, ich kann sagen, nie in meinem Leben habe ich soviel gelesen und studiert wie in diesem Winter. Ich studierte ferne Länder, lernte ihre Sprachen, denn es konnte sein, daß ich bald dorthin reisen würde, wohin keine Geleise mehr laufen. Ich habe keinen eigentlichen Beruf, keine besonderen Anlagen und Talente, ich habe keine Lust und keine Zeit dazu. Ich bin aus altem Geschlechte, degeneriert, gehöre zu jener Klasse der Luxusmenschen, die allmählich ausstirbt. Ich wünsche es nicht; aber man wird bald nur noch Gemüse pflanzen und Rindvieh züchten, der Mensch wird praktisch.

Ja, ich habe viel gearbeitet.

Ich arbeitete, um mich zu vergessen. Ich ging auf die Jagd, wanderte mich müde, ich war ruhig. Aber plötzlich tauchte Ingeborg vor mir auf, so herrlich, so wunderbar — dann war die Ruhe vorbei, der Schmerz schüttelte mich und ich wußte, daß ich immer noch auf dem Grunde lag und nie mehr Frieden haben sollte da drinnen.

Ich schrieb viele Briefe an Ingeborg, ich sandte sie nicht ab, nur um Ruhe zu bekommen, schrieb ich sie.

Ich schrieb einen, der lautete:

Ingeborg, es ist ein finsterer Gedanke in mir, mit dem ich immerzu ringen muß. Er lockt mich, er gaukelt mir Dinge vor — er winkt und ruft — ich ringe mit ihm, es ist schwer, es ist ein verzweifelter Kampf!

Hilf mir! Jeden Tag bekommt der Gedanke mehr Kraft. Er lockt nicht mehr, er höhnt und spottet und lacht. Er triumphiert im geheimen.

Ich schrieb einen, der lautete: