Ich blieb stehen, blickte in die ziehenden Wölkchen empor, und Mitleid für die gedemütigte Seele erfaßte mich.

Ich wollte ihr nacheilen und mit ihr sprechen. Dank, Dank, wollte ich sagen. Ich kann Sie nicht lieben, Fräulein Ingeborg, ich habe meine wunschlosen Tage, aber Dank für Ihre Liebe. Wenn Sie wollen, kommen Sie zu mir, Tage und Nächte will ich mit Ihnen plaudern, ich will Ihr Freund sein, ich schäme mich ja, ich bin arm in diesen Tagen, egoistisch, weil ich glücklich mit mir allein bin.

Aber ich eilte ihr nicht nach. Ich ging weiter.

Ich dachte: vielleicht bin ich nur so reich und glücklich, weil sie mich liebt? Sie beschenkt mich mit ihren Gedanken, ihrer Liebe, aus der Ferne, ich werde heiter und froh, und sie wird arm und unglücklich. Sie wirft sich auf den Boden und weint, und im gleichen Momente durchzuckt mich die Freude, eine unerklärliche tiefe Freude, und ich atme tief und lächle. Niemand kann es sagen.

Ich ging immer weiter und weiter die dunkle Waldgasse hinab und bei jedem Schritte dachte ich, daß ich umkehren sollte, um mit ihr zu sprechen.

Nun wanderte sie durch den sausenden Wald, langsam, beschämt und dachte an den Mann mit dem müden Herzen. Der Wind blies und sie hustete. Dann kam sie nach Hause, sie legte das Kleid ab, das schöne helle Frühlingsgewand und warf es unter das Bett. Sie wollte es nicht mehr sehen. Im Spiegel haftete noch ihr Bild von heute Mittag. Ich werde ihm gefallen? lächelte der Mund. Und die Augen sagten: Ja, ja, wirst ihm gefallen . . . . . . . . Sie drückte die Lider zu . . . . . . . .

Immer weiter stieg ich die Bergstraße hinab und wollte doch eigentlich umkehren. Die wunderlichen Worte klangen durch meinen Kopf.

Ja, ich mußte umkehren und ihr sagen, daß sie doch Geduld haben sollte mit mir, Geduld! Sie sei schön, ja herrlich sei sie, ergreifend sei sie.

Ich ging und ging. Mein Sinn verdunkelte sich.

Da sprang mein Herz auf.