Der Tag graut. Nebel ziehen. Ein Mann sitzt auf der Höhe. An seiner Lodenjoppe hängen feine Tauperlen, er hat den Hut aus der heißen Stirne gerückt. Der Nebel zieht in Schnüren an ihm vorüber.
Es blitzt in der Nebelwolke, blitzende Schwerter fahren hin und her. Der Nebel zerreißt, Tannenwipfel tauchen empor, sie glühen rot. Durch einen Riß blickt ein Streifen blauen Himmels, ein Eck fahlgrüner Wiese, kleine Bauernhäuser mit blinzelnden Fenstern. Langsam weicht der Nebel zurück in die Wälder, die letzten Fetzen schlüpfen ins Geäst der Buchen.
Der Mann blickt über das Tal. Es ist wie eine große Muschel, in der alle Farben zusammenfließen. Eine Reihe von Schnittern schwingt tief unten in gleichmäßigem Takte die Sense. Die Fenster der Bauernhäuser sehen mit leuchtendem Staunen in die aufsteigende Sonne. Der Wald trieft und atmet tief auf in der Wonne des Erwachens. Es klingelt im Walde von hellen Vögelstimmen.
Des Mannes Augen sind geblendet vom Lichte. Die Sonne ist noch nicht rund, da kommt ein Mädchen aus dem Walde. Sie ist naß vom Tau wie Blumen und Gräser. Sie läuft, daß die Röcke fliegen.
„Ich wollte auf dich warten!“ ruft sie, daß es klingt, „ich wollte zuerst da sein!“
Sie lacht, sie weint, sie stürzt sich an des Mannes Brust.
Des Mannes Hände zittern.
Die Sonne geht auf und scheucht die Nebel in die Wälder, wir gehen durch den Wald, die Sonne sinkt hinter goldenen Höhen, wir gehen zusammen, wir zwei. Wir blicken in die Höhe, die Wipfel der Buchen sind durchsichtig, hellgrün wie Wasser, wir gehen wie in einem hellgrünen Meere, dessen Grund die Sonne erleuchtet.
„Es ist Mittag,“ sagen wir.
Tag um Tag. Mein Herz klopft.