Die Blumen der Tapeten schienen lebendig geworden zu sein und zu duften, die Bildnisse der alten Herrschaften mit komischen Hüten und Frisuren lächelten. Liselotte, geborene Weikersbach, blinzelte mir zu. Ich stellte mich vor sie und lächelte. Ja, sagte ich, konnte dir leider die Treue nicht halten, Liselotte, so ist die Liebe!

Eine ganz sonderbare Luft webte durch dieses verzauberte Haus.

Diese Luft barg Ausrufe, Flüstern, Blicke, das Schimmern von Zähnen, das Knistern eines schnellen Schrittes. Viele Geheimnisse waren in dieser Luft verborgen, leises Lachen, verliebte Worte, Lider, die sich bewegen, Arme, die einen Nacken umschlingen, das Rot eines Mundes, das Blitzen eines Ringes. Man dachte an nichts, plötzlich hörte man seinen Namen, die Luft rief ihn, plötzlich sah man einen Mund, der ein Licht ausbläst, man erblickte sich selbst, wie man gerade in einem Spiegel seine glücklichen Augen studiert. Die Luft spiegelte das.

Den ganzen Tag ging die Sonne in diesem Hause spazieren, sie stieg durch die Fenster ein, durch die Schlüssellöcher der Türen. Dann kam die Dämmerung und eine kurze Zeit war alles still und tot. Doch sobald der Mond und die Sterne heraufkamen, wurde es wieder lebendig in diesem Hause. Fünkchen sprangen über die Tische und Sessel, es knisterte und etwas kletterte an der Tapete herunter, etwas Silberiges spielte mit einer Quaste, und die Quaste begann zu baumeln.

Im Dorfe drunten schlug die Uhr. Eins, zwei, drei — zehn. Im Dorf drunten schlug die Uhr. Eins, zwei — elf.

Ein Hauch wehte durch das Haus. Es knisterte, eine Treppe knarrte, ein Schreiten, ein Flackern und Schweben — Ingeborg war da!

Es raunte in meinem Zimmer, es wisperte, flüsterte und lachte. Ganz als ob ein kleiner Springbrunnen sänge und kichere. Gewiß waren die Herrschaften mit den sonderbaren Kleidern und Frisuren aus den Rahmen gestiegen und gaben sich Stelldichein in meinem Zimmer.

In vielen, vielen Nächten kam Ingeborg zu mir. Mein Herz klopfte in den langen Stunden des Wartens. Mit einem Jauchzen empfing sie mein Herz. Ja, wie begrüßten wir uns doch? Als seien wir lange Jahre getrennt gewesen und hätte die Sehnsucht unsere Liebe geglüht und gestählt und vertausendfacht.

Ein Ineinandertauchen der Blicke, gestammelte Worte, ein Kuß auf die Fingerspitzen, das war unsere Begrüßung. Gar oft sagten wir gar nichts, wir gaben uns die Hände und lächelten uns an, lange Zeit.

Ingeborg kam aus dem Walde zu mir, in stiller Nacht, ich durfte ihr nicht entgegengehen, ich durfte sie nicht begleiten.