„Hallo!“ rief es.

Ich schnellte in die Höhe, das Blut schoß mir in den Kopf, das war er, dort stand er. Drei Jahre hindurch hatte ich auf ihn gewartet. Ich erkannte seine Gestalt wieder, ich hatte sie ja nicht vergessen gehabt, aber ich erkannte sie wieder. Ich erkannte seine Hand wieder, den Druck seiner Hand erkannte ich wieder. Sie war schmal und knochig, wie ein Skelett fast, Freund Bluthaupts Hand.

„Dir geht es ja gut, verdammt gut!“

Ich erkannte seine Stimme wieder. Wie ich sie liebte, diese kräftige, etwas bäuerische Stimme!

Natürlich ging es auch ihm gut. Immer ging es ihm gut, er konnte am Verhungern sein, er konnte mitten in der Verzweiflung leben; es geht mir gut.

Ich ging rasch zu Ingeborg. „Karl ist da,“ sagte ich zu ihr, lachte und ging sofort wieder hinaus.

Ich ging rasch den Korridor zurück, der Regen trommelte gegen die Scheiben, es war ein wohliges Gefühl, ich fühlte alle Tropfen auf meinem Leibe.

Dann kam Ingeborg. In ganz unglaublich kurzer Zeit hatte sie sich angekleidet. Sie trug ihr schönstes Kleid, es war ganz weiß und schmiegte sich um ihren Körper, sie hatte die Schuhe aus Wieselpelz an, die ich für sie ersonnen hatte, eine Rose trug sie an der Brust und eine in der Hand. Die gab sie Bluthaupt. Ihre Augen waren feucht, sie sprach nichts.

Haha, ja, er war überrascht, ich muß es sagen. Er wurde rot und dann blaß, da sah er sehr schön aus.

Ingeborg bot ihm die Rose, wie ein Kind einem Landesherrn eine Rose überreicht, sie neigte den Kopf dabei zurück, ganz gebogen stand sie da.