Er nahm die Rose, gab ihr die Hand, stotterte etwas.
Er habe keine Ahnung gehabt — nicht die leiseste Ahnung — er bitte um Entschuldigung, aber alle Züge seien früher abgefahren, als man annehmen konnte.
Ich amüsierte mich sehr in dieser Nacht, ich war so glücklich, daß ich mich herzlich amüsieren konnte. Ingeborg blickte Bluthaupt an, seinen Mund, seine Stirne, seine Hände, sie lauschte, wenn er die Lippen öffnete. Er sprach solch einfache Worte.
Sie hatte noch keinen Dichter gesehen und gehört. Sie dachte, die Dichter trügen Rosen in den Haaren und sprächen in Versen. Ich stelle mir die Dichter vor wie etwas Wehendes, etwas Goldenes, so sagte sie einmal.
Wir hatten Bluthaupts Bücher gelesen, zusammen, Kopf an Kopf. Ingeborg sagte: er kennt mich und deutete auf ihr Herz. Wie er die Menschen doch kennt! — Bald wird er kommen, Ingeborg. — Ja, was sage ich zu ihm?
Und nun saß er vor ihr, sie konnte ihn nicht verstehen, sie konnte durch keines seiner Worte, keine seiner Mienen eindringen in ihn, sie grübelte, sie war enttäuscht.
„O,“ sagte sie mir am andern Tage, mit besonders rundem Mäulchen sagte sie dieses O. „O!“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, was kümmern mich diese armen Droschkenpferde, von denen er so viel sprach? Ich bin nun froh keine Droschkenpferde mehr zu sehen! Dann fährt er mit dem Finger in die Luft hinein und lacht. Diese elenden Droschkenpferde! Haha, das ist der Dichter Karl Bluthaupt!“
„Und sieh, Axel, darauf wußte er mir nicht zu antworten, als ich ihn fragte, wie die Frauen seien. Ich wollte nun gerade seine Ansicht wissen. — Er wich aus. Das kann niemand wissen. Man kennt sie nicht, man kennt nur Beispiele. Ich traf ein armes Mädchen, sie ging mit mir. Am Morgen verließ sie mich und eine Stunde später war sie wieder da, sie hatte mir eine Kravatte angefertigt. So sind sie. Und wieder, eine Frau kann heute zu einem Mann sagen, du bist ein Heiliger, du kannst Wunder tun, am andern Tage, du bist ein kleiner erbärmlicher Mensch. Sie sind rührend, wenn sie lieben, interessant, wenn sie hassen. Man kann wirklich nichts bestimmtes über sie sagen.“
Einige Tage später kam sie zu mir, nahm mich am Arm und sagte: „Du Axel, nun habe ich es gesehen!“
„Was hast du gesehen?“