In der letzten Zeit war es ihm zuweilen gewesen, als ob ihm ein kalter Hauch ins Genick blase.

„Alles Unsinn! Es sind deine Nerven, mein Freund! Wie kann ein Brief, ein unsinniger Brief – ja, wie ist es nur möglich?“

Schwedenklee bleibt stehen und mustert entschlossen den riesigen Diplomatenschreibtisch. Plötzlich steuert er mit zwei, drei großen Schritten auf den Schreibtisch zu und zieht, etwas asthmatisch atmend, die unterste Schublade heraus.

Es ist das beste! Er war entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, da es sich als unmöglich herausstellte, darüber hinwegzugleiten. Es war feige, keine Worte, nicht nachzuforschen! Nein, heute hatte es ihm bei den Karten keine Ruhe mehr gelassen ...

Diese Schublade stellte er auf einen niedrigen Rauchtisch und betrachtete, schon wieder etwas mutlos, den Wust von Karten, Bildern, Briefen, Theaterzetteln. Sogar eine graue Seidenschleife befand sich darunter.

Schwedenklee warf sich in einen Sessel und streckte die Hand nach einem der vergilbten Briefe aus. Aber schon erhob er sich wieder. Er entkorkte eine Flasche Bordeaux und zündete sich umständlich – um Zeit zu gewinnen – eine Zigarre an.

Ja, nun war er bereit!

„Eine von euch weilt also nicht mehr unter den Lebenden!“ sagte er laut, um sich Mut zu machen, und blies heftig in die Zigarre. Eine leise, aber nicht quälende, ja fast angenehme Trauer überkam ihn. Ja, es ist sonderbar, er fühlte sich sogar als eine gewissermaßen wichtige Persönlichkeit, weil eine jener Frauen, die er geliebt hatte, schon ins Reich der Schatten entwichen war.

„Und sie gedachte meiner noch in ihrer letzten Stunde!“ Wieder schwebte Schwedenklee in den gefütterten Hausschuhen hin und her. Dann aber warf er sich in den Sessel und griff entschlossen mitten in die vergilbten Briefe hinein.

Dieses graue Seidenband – o, so deutlich erinnerte er sich – vor Jahren schmückte es Lissis blonden lockeren Haarschopf. Und es fiel ihm ein: wie sie einmal unerwartet in sein Zimmer stürmte, es war im Winter, Schneegestöber. Ihr Pelz war dick mit Schnee bedeckt – und so, wie sie war, im beschneiten Pelz, schloß er sie in die Arme. Noch heute fühlte er die stechende Kälte der einzelnen Schneekristalle ... Und hier ist eine Karte von Lissi, aus Oberhof, Lissi im Skikostüm.