Aber trotz seiner Müdigkeit beobachtete Schwedenklee, oder sollte er sich täuschen? – daß mit Ellen seit gestern eine Veränderung vor sich gegangen war. Sie schien merkwürdig erregt, sie lachte ohne jeden Grund, zerstreut lief sie hin und her, den ganzen Nachmittag war sie mit ihrer Wäsche und Garderobe beschäftigt.
Von der Antwort auf die bewußte wichtige Frage war nicht die Rede! Vergebens wartete Schwedenklee auf ein Wort, einen Blick. Sie stammelte erregt, wenn sie mit ihm sprach, ihr Blick flackerte, sie errötete, schlug die Augen nieder. Es schien ihm sogar, als ob sie ihm auswiche ...
Am nächsten Tage aber glaubte Schwedenklee zu seinem nicht geringen Staunen zu beobachten, daß Ellen ernsthaft damit beschäftigt war, einzupacken.
Die Sache war, kurz gesagt, die: der Direktor der Vereinigten Sommertheater in Hamburg war Pohls bester Freund. Es bestand, wie Pohl versichert hatte, gar kein Zweifel, daß er Ellen engagieren würde. Im Sommer sollte sie sich in kleineren Rollen einspielen, um im Herbst mit dem Ensemble nach Bremen überzusiedeln. Ein gutes, ein vorzügliches Theater! Der Zufall hatte ihr eine herrliche Gelegenheit geboten, eine geradezu selten günstige Gelegenheit, ihre Laufbahn zu beginnen. War Ellens glückliche Verwirrtheit nicht verständlich?
Natürlich. Oh, Schwedenklee verstand ja wohl manches, er verschloß sich keineswegs vernünftigen Gründen, er wußte nur zu gut, daß eine Frau, die sich die Bühne in den Kopf gesetzt hatte, durch nichts abzubringen war. Aber, hatte sie, Ellen, denn ganz vergessen, daß sie ihm auf eine bestimmte Frage eine bestimmte Antwort schuldig war?
Er bemühte sich, die Sache von der scherzhaften Seite zu nehmen. „Du hast ja noch Zeit, Ellen, wozu diese Aufregung?“
„Ich muß bereit sein, wenn das Telegramm kommt!“ schrie Ellen.
Ja, sie schien es in der Tat ganz vergessen zu haben. Allen Andeutungen, die er wagte, wich sie aus. So oft er sie „antwortheischend“ ansah – oh, sie verstand seinen Blick sehr wohl! –, geriet sie in hilflose Verwirrung. Sie lenkte sofort errötend ab, sie sprach von ihren Plänen, Erwartungen, und beschwor ihn, nicht nach Hamburg zu kommen, wenn sie das erstemal auftrat. Sie würde auf der Bühne kein Wort hervorbringen können. Aber er mußte ihr versprechen zu kommen, sobald sie einigermaßen eingespielt wäre.
„Aber, ich sehe schon, du wirst nicht kommen, Don Philipp. Du wirst mich rasch vergessen!“ sagte sie mit hochgezogener Braue.
Also, er würde sie vergessen? Schwedenklee fand vor Erstaunen kein Wort der Entgegnung.