Und da: Hanny im Schlafwagen – mit der kleinen blauseidenen Nachthaube ...
Schwedenklee saß und träumte. Er war so tief in Gedanken versunken, daß er regungslos zur Decke blickte und in der Tat mehr schlief als wachte. Aus seinem vollen, satten Gesicht stieg kerzengerade der Rauch der Zigarre.
Die Gesichte glitten ineinander; ein Rücken wie aus frischgefallenem Schnee geformt, ein Haarschopf, der im Nacken funkelt, rasche, flüchtende nackte Füße, ein Knie, wie aus der Hand Rodins, zitternde Hände, die das Haar aufstecken ...
Sonderbar! Schwedenklee sah fast keine seiner Freundinnen wieder, sobald er sich von ihnen getrennt hatte. Berlin verschlang sie, die Welt, das große Leben verschlang sie, ohne daß sie je wieder auftauchten. Sie verwehten wie die Blätter im Walde.
Schwedenklee sitzt inmitten einer Wolke von Träumen, der Zauber versunkener Herrlichkeiten hat ihn gebannt. Das Leben! Gab es etwas Wunderbareres als dieses verwirrende, unverständliche, dreimal verfluchte, dreimal gepriesene Leben? Er lächelt, und sein Lächeln verändert sich nicht mehr. Er ist glücklich.
5
„Aber Rosa?“
Plötzlich sprang Schwedenklee auf und ging mit erregten Schritten in den gefütterten Hausschuhen hin und her. Es war schon zwei Uhr morgens. Erst in diesem Augenblick war ihm wieder eingefallen, aus welchem Anlaß er nach den verblaßten Briefen gegriffen hatte.
„Aber Rosa? Wer ist diese Rosa?“
Unter all den Frauen gab es ja keine Rosa weit und breit! Wer war also diese Rosa, von der ihm dieser Unbekannte geschrieben hatte?