Sein Unmut verrauchte vollends. Der Ausbruch von Raserei kam ihm nun selbst lächerlich vor. Als er das Frühstückszimmer verließ, hatte er sich soweit wiedergefunden, daß es ihn befriedigte, den zudringlichen Brief noch einmal in die Hand zu nehmen. Offenbar hatte der Unbekannte dieses letzte Schreiben in der größten Erregung hingeworfen. Die Buchstaben waren kaum zu entziffern. Mit einem verächtlichen Lächeln riß Schwedenklee den Brief mitten durch – die Antwort würde ihre Wirkung nicht verfehlen, er hätte schon lange Schluß machen sollen.
Zu seinem Erstaunen entdeckte er aber plötzlich auf der Rückseite des Briefbogens eine Nachschrift!
„Ihr mir so unverständliches Verhalten, Ihre unbegreifliche Gleichgültigkeit kann ich mir nur so erklären, daß Sie sich offenbar nicht mehr entsinnen, wer Rosa ist – oder leider – war, dieser Gedanke zuckt eben durch mein krankes Gehirn! Rosa, meine geliebte Frau, die ich, selbst dem Tode nahe, betrauere, war eine geborene Rosa Ellen Fröhlich, ihr Bühnenname lautete Rosa Froh.“
Eine leise Lähmung befiel die Hand, die den Brief hielt. „Ellen Fröhlich!“ sagte Schwedenklee leise. „Dieses reizende Geschöpf! Sie also ...“
Ein leises flüchtiges Bedauern, andere Empfindungen der Trauer löste diese Mitteilung nicht aus. Diese lebenslustige Frau, für die er Villen und das berühmte Schwimmbassin entwerfen mußte! Sie, die so sonderbar rasch errötete, die Röte überzog sogar den Nacken – diese Arme, sie schien nicht glücklich geworden zu sein ...
Und er, dieser Törichte, der sein Gehirn selbst ein krankes Gehirn nannte, hätte er ihm nicht schon früher sagen können, wer sich hinter dieser Frau Rosa Blank versteckte?
Schwedenklee fühlte sich ordentlich erleichtert. Die Ungewißheit, das Grübeln wider Willen hatten ihn gemartert. Was hatte er weiter mit der ganzen Sache zu schaffen? Er hatte vier Wochen lang, oder vielleicht sechs, eine Liebschaft mit dieser Frau gehabt, eine kleine reizende Liebelei, vor achtzehn, zwanzig Jahren – damals in Paris – das war alles.
Er instruierte Augusta, daß heute vormittag ein gewisser Herr Blank anrufen werde. Sie möge sagen, er sei auf unbestimmte Zeit verreist.
In bester Laune kleidete er sich an, um auszugehen. Seit langen Tagen kam endlich die Sonne wieder durch.
Schwedenklee war gerade mit der Toilette fertig, als das Telephon klingelte.