Er öffnete die Türe und hörte Augusta mit weinerlicher Stimme einigemal wiederholen, daß der Herr Oberbaurat verreist sei. Offenbar gab sich Blank mit dieser Auskunft nicht zufrieden.
Augusta geriet in große Erregung. „Unverschämte Leute gibt es schon!“ rief sie aus, als sie abgehängt hatte.
„So und damit ist die Sache erledigt“, dachte Schwedenklee und begab sich in ausgezeichneter Laune zu seinem Schneider in der Charlottenstraße.
Bei diesem Schneider in der Charlottenstraße – einer großen Firma – war eine junge Dame, ein Fräulein Wiedehopf, als Buchhalterin tätig. Die dicken, glänzend braunen Flechten turmartig über dem heiteren, offenen Gesicht aufgebaut, die Fingernägel glänzend poliert, duftend nach Frische, wie aus dem Ei geschält, ohne das kleinste Staubkörnchen – auf diese junge Dame hatte Schwedenklee seit einiger Zeit ein Auge geworfen.
„Ich lebe zu stumpfsinnig“, sagte er zu sich, als er dahinschlenderte. „Immer das ewige Kaffeehaus. Dieses Leben bekommt dir nicht, Schwedenklee. Wir werden diese kleine Wiedehopf heute abend zu ‚Figaros Hochzeit‘ einladen.“
Unterwegs löste er Karten zur Oper, und obwohl die Schar der Verkäufer und Zuschneider diesen weiblichen Schatz mit eifersüchtigen Blicken bewachte, hatte er Fräulein Wiedehopf, ohne daß es irgendwie auffiel, beim Hinausgehen zu ‚Figaros Hochzeit‘ eingeladen. Man mußte es nur verstehen.
7
Eine ganze Woche blieb Schwedenklee dem Kaffeehause fern. Theater, Ballhäuser, Bars, sogar in ein Kino führte er die junge Dame mit den turmartig aufgebauten Haaren und den glänzenden Fingernägeln.
Diese kleine Wiedehopf war verlobt, nahezu verlobt, der Auserwählte war zur Zeit auf Reisen – wie oft hatte er das schon gehört! Sie spielte die Dame, ließ sich verwöhnen, lockte an, wehrte ab – sie tat, bei Gott, wie eine Generalstochter ...
Als Schwedenklee nach so langer Abwesenheit wieder das Kaffeehaus aufsuchte, fand er die Spielergesellschaft von einer neuen Spielwut besessen wieder. Man hatte die Karten verlassen und war zum Billard übergegangen.