Man spielte „vom roten“. Jeder Billardspieler kennt dieses Spiel. Die Karambolage wird nur dann gezählt, wenn der rote Ball zuerst getroffen wurde. Es spielten drei bis vier der besten Spieler, und auf sie wurde gesetzt wie auf Pferde.

Die Ärzte, die Rechtsanwälte, die Kaufleute, Spieler und Kiebitze, Kellner saßen und standen in dichten Reihen um das Matchbillard herum, in atemloser Spannung jeden Stoß verfolgend.

Schwedenklee wurde freudig begrüßt.

„Wie gut Sie aussehen, Schwedenklee!“ rief der Nervenarzt Wittmann. „Sie waren also doch verreist!“

„Nein, ich war hier, habe gearbeitet und abends ein bißchen Zerstreuung.“

„Sie haben Ihr altes Aussehen wiederbekommen, prächtig!“

„Ah, der Herr Oberbaurat. Nun wird es interessant! Kellner, das Queue des Herrn Oberbaurat!“

Sofort stiegen die Einsätze ums Dreifache.

Einige Abende hintereinander spielte Schwedenklee hier vier, fünf Stunden „vom roten“. Es wurden hohe Summen umgesetzt. Seine Kopfstöße, Rückzieher, Zwei- und Dreibänder riefen lautes Händeklatschen hervor.

Schwedenklee war bei bester Laune. Selbst das graue kreidige Antlitz des alternden Künstlers, der nun häufiger ins Café kam, störte ihn in seinem jetzigen Gemütszustande nicht mehr. Er genoß den Triumph. Nach dem dritten Abend ließ er seinen schwarzseidenen weitärmeligen Billardkittel von Augusta ins Kaffeehaus bringen, und nun konnte man fast meinen, es mit einem Billardchampion zu tun zu haben. Er mußte seinen Gegnern zuerst zwei Points auf zehn vorgeben, sodann drei. Je länger er spielte, desto vollendeter wurde sein Spiel.