„Was wünschen Sie?“ fragte er, unnötig laut, und seine Stimme bebte noch vor Erregung.
Der Hagere wich noch einen kleinen unsicheren Schritt zurück, die Hand aufs Herz gepreßt. Es schien Schwedenklee, als ob er heftig zittere. Deutlich hörte er seinen hastig keuchenden Atem.
„Was wollen Sie von mir?“ wiederholte Schwedenklee, weniger laut, aber härter im Ton. Er erkannte die völlige Gefahrlosigkeit der Situation.
Der Hagere nahm den Filzhut ab und verbeugte sich, den Hut gegen die Brust pressend. Sein graues wirres Haar bewegte sich im Winde.
„Ich heiße Blank!“ stammelte er, ganz Demut. Seine Stimme klang leise, kaum vernehmbar, heiser dazu. Aber Schwedenklee verstand den Namen augenblicklich!
8
Schwedenklee hatte schon manches erlebt. Nicht ohne weiteres wird man fünfundvierzig Jahre alt! Einmal, zum Beispiel, war in einer hellen, heißen Sommernacht ein Herr auf ihn zugetreten und hatte in liebenswürdigstem Ton gefragt, ob er die Ehre habe, mit Herrn Schwedenklee zu sprechen? Schwedenklee aber hatte kaum bejaht, als der Liebenswürdige schon den Stock gegen ihn schwang. Es stellte sich heraus, daß er der Gatte einer schönen Frau war, mit der Schwedenklee zuweilen im Bristol Tee trank. Damals war es zu einer regelrechten Schlägerei gekommen, und der Eifersüchtige brachte sogar die Passanten gegen ihn auf. Erst als Schwedenklee heilige Eide schwor, daß die bewußte Beziehung völlig platonisch sei, war der Rasende ruhiger geworden. Die schöne Frau hatte ganz einfach gelogen, um ihren Gatten bis aufs Blut zu reizen. Immerhin, Geständnis und Eide in der Bedrängnis waren so peinlich, daß Schwedenklee den Auftritt als einen dunkeln Schatten in seinen Erinnerungen empfand.
Ja, schon mancherlei hatte er erlebt, Herr Schwedenklee – nie aber hatte er sich in einer Situation befunden, die peinlicher und unbehaglicher war.
Die unverständlichen Briefe Blanks schossen ihm wirr durch den Kopf, auch sein brutaler Rohrpostbrief, der ihm im Augenblick noch weitaus brutaler erschien, auch jene alberne, pathetische Phrase: „Die Toten greifen nach dir!“
Und hier unten also, dieser Grauhaarige, der sich demütig verbeugte und vor Erregung kaum stammeln konnte, das war also Ellens Gatte – der ihn aus unerklärlichen Gründen zu sprechen wünschte ...