Schwedenklee hatte das Gefühl, langsam in den Boden zu sinken. Es schien ihm später, wenn er an diese unbehagliche Szene dachte, als habe er für Sekunden das Bewußtsein verloren gehabt. Er glaubte sich auch zu erinnern, wie seltsame Ahnungen, daß diese Begegnung ungeheure Bedeutung für sein Leben gewinnen sollte, ihn erfüllten und erschreckten. Jedenfalls empfand er deutlich die Ungewöhnlichkeit dieser nächtlichen Begegnung, anders wäre sein Verhalten nicht zu erklären.

Verlegen und unschlüssig starrte Schwedenklee auf die hagere Gestalt, die unter ihm stand. Vor kaum fünf Minuten – sonderbar genug! – hatte er sich der Erinnerung an Ellen hingegeben. Er konnte Blanks Gesicht nur sehen, wenn ein schwankender Zweig das Licht des Mondes durchließ. Gleich verlegen und hilflos starrten Blanks dunkle Augen aus dem bleichen Gesicht zu ihm empor.

Schwedenklees Empfindungen waren Chaos. Er wollte die Türe wütend ins Schloß werfen, wollte seiner Empörung, daß Blank es wagte, ihn zu verfolgen, unverblümt Ausdruck geben – aber er tat nichts dergleichen.

Im Gegenteil! „Herr Blank?“ sagte er nach einer Weile, mit einer unsicheren und unterwürfigen Stimme, deren er sich später schämte, und einer verstümmelten Verbeugung.

„Sie haben mir geschrieben, Herr Blank?“ fuhr er fort, nur um das unerträgliche Schweigen zu unterbrechen.

Blank antwortete mit einer Verbeugung. Er erwiderte nichts.

Ratlos stand Schwedenklee auf der Treppe. Nacht ringsum, kein Mensch auf der Straße. Und ohne Unterbrechung fühlte er Blanks Blick auf sich gerichtet. Schwedenklee trat wieder etwas mehr in das Haustor zurück.

„Vielleicht erklären Sie mir –“, begann er von neuem.

Endlich bewegte sich Blank.

„Ich handle unter einem geheiligten Willen“, begann er leise, mit heiserer Stimme, aber doch verständlich, ja sogar etwas deklamatorisch, wie Schauspieler es häufig zu tun pflegen. Schwedenklee sah deutlich, daß er hin und her schwankte und nach Atem rang.