Blanks Augen strahlten vor Freude, es war Schwedenklee ganz unmöglich, ihn zu enttäuschen. Er bat noch um eine Minute Geduld.

„Ich werde dem Kutscher unterdessen Bescheid sagen. Sie essen doch im Grunewald mit mir?“

Nun rollten sie dahin.

„Mein Freund!“ rief Blank unter lebhaften Gesten aus. „Ich sehe, Sie sind außerordentlich erstaunt. Ich bin es ja selbst! Noch immer kann ich es nicht fassen. Wissen Sie denn, was geschehen ist? Niedergebrochen, erschöpft, in Verzweiflung, habe ich plötzlich neuen Lebensmut bekommen. Ahnen Sie, was das bedeutet? Neuen Lebensmut? Ich fange wieder an zu hoffen. Vielleicht – ja wer weiß es, aber ich habe immerhin die Hoffnung –, vielleicht hat das Schicksal in einer guten Laune beschlossen, mir so etwas wie einen Nachsommer zu schenken! He, Kutscher, fahren Sie doch etwas hurtiger, nicht so langsam!“

„Ich freue mich aufrichtig, Sie zuversichtlicher zu sehen!“

„Und das kam so, mein lieber und verehrter Herr Schwedenklee! Hören Sie nun. Sie, mein verehrter Freund, Sie sind die Ursache! Ja! Ihr, wie sagten Sie in Ihrer großen Güte, Ihr Darlehen – damit begann es. Mein Himmel, was ist seitdem alles geschehen! Ich bin verwirrt, kindisch geradezu. Ich hatte den Mut, die Selbstüberwindung, Ihren Brief nicht sofort zu öffnen. Bei jeder Laterne kämpfte ich mit mir. Nein, sagte ich, du bist kein Bettler! Zu Hause öffnete ich Ihren Brief und – glauben Sie mir – ich war vor Erstaunen minutenlang betäubt. Morgen, sagte ich, bringe ich ihm das Geld zurück. Morgen! Aber am Morgen dachte ich anders. Plötzlich – es war wie ein Wunder, stieg wieder, nach Monaten, ein Gefühl der Hoffnung in meinem Herzen empor. Ich sagte mir: wenn Gott dir einen gütigen Freund in den Weg gesandt hat, weshalb willst du diesen Wink des Himmels nicht verstehen? Gut, ich brachte das Geld nicht zurück!

Ich handelte! Ich raffte mich auf! Ich löste meine Kleider aus – hier, diese Kleider. Ich ging zu einem Friseur. Ich ging in eine Badeanstalt. Ich ging in ein Restaurant und aß. Ich wurde plötzlich ein anderer Mensch! Hoffnungen beflügelten mich. Ich ging in die Filmbörse. Waren Sie schon in der Filmbörse? Ein Kaffeehaus in der Friedrichstraße?“

Schwedenklee schüttelte den Kopf.

„Gehen Sie nicht hin. Sie werden nie so viel Elend, offenes und verborgenes, schlecht verborgenes Elend, auf einer Stelle finden. Ich gehe hin – ich bin gesättigt, anständig gekleidet, ich bestelle Kaffee. Glückt es heute nicht, so glückt es morgen. Ich fühle Ihr Kuvert in meiner Tasche, ich habe keine Eile, ich fühle mich sicher.

Was denken Sie? Regisseure kommen herein. Sie haben das ja nie beobachtet. Man kennt diese Regisseure, die Herren und Damen stürzen sich förmlich auf sie –! Aber auf mir ruht sein Blick, der Blick des Allmächtigen. Ich tue, als kümmere es mich nicht im geringsten. Er geruht an meinen Tisch zu kommen. Er stellt sich vor, denken Sie, obschon ihn hier jedermann kennt und er es genau weiß. Was denken Sie, was geschieht? Er verpflichtet mich für zwei Filme, zwei – bei sehr gutem Honorar! Zwei Filme!“ Blank lachte laut heraus und breitete die Arme den Vorübergehenden entgegen.