„Eine unangenehm energische Person!“ dachte Schwedenklee. „Gott soll mich davor behüten, daß ich in meiner Sterbestunde solch ein Wesen, mit so großen Füßen, um mich habe!“

„Augusta!“

Schwedenklee war sehr erregt. Einen Augenblick dachte er sogar trotz seiner Zusage daran, nicht hinzugehen. Der Gedanke entsetzte ihn plötzlich, in ein Sterbezimmer treten zu müssen. Armut dazu, vielleicht war es schlecht gelüftet? Aber nein, das war ja Feigheit. Ein Sterbender! Lieber Himmel, dieses Leben ist in der Tat eine höllische Erfindung. Er starrt zur Türe, wartet auf ihn, den Todesschweiß auf der Stirn. Nein, unmöglich! Ein Sterbender ist ein heiliges Wesen – jeden Wunsch muß man ihm erfüllen.

Aber in welchem Anzug geht man zu einem Sterbenden? Schwedenklee kam in seiner Aufregung auf den unglücklichen Einfall, einen Zylinder aufzusetzen – um die Feierlichkeit zu betonen.

„Mitzuteilen?“ Ja, was in aller Welt mochte er ihm mitzuteilen haben? Schwedenklee erinnerte sich plötzlich jenes Briefes, in dem Blank seinerzeit schrieb, daß er ihm unter Umständen wichtige Mitteilungen zu machen habe.

Und später hatte er widerrufen ...

„Ich werde nie Ruhe vor diesem Menschen haben!“

In großer Erregung eilte Schwedenklee auf die Straße. Die unmögliche Adresse hielt er in der Hand. Es war ja ganz undenkbar, hier an der Potsdamer Brücke einem Chauffeur diese Adresse zu nennen. Schwedenklee ging zu Fuß bis zum Potsdamer Platz, um sich zu sammeln.

Nein, eine unangenehmere Sache konnte man sich beim besten Willen nicht ausdenken. Und dazu – plötzlich blieb Schwedenklee verwirrt stehen – dazu sollte Nelly um sechs Uhr zum Tee kommen! Schließlich konnte er ja telephonieren ... Und diese eisige Kälte, die sich wie Säure in die Haut fraß.

Am Potsdamer Platz hatte Schwedenklee folgende Entschlüsse gefaßt. Erstens: ich werde hingehen. Zweitens: ich werde bis zum Alexanderplatz mit der Untergrundbahn fahren und dort eine Droschke nehmen – dort fällt es nicht auf – drittens: ich werde Augusta telephonieren, für den Fall, daß ich bis sechs Uhr nicht wieder zurück sein sollte. Viertens werde ich jetzt erst einen Kaffee trinken.