Es dämmerte schon, als Schwedenklee in der bezeichneten Straße ankam. Das Auto, der Herr im Pelz und Zylinder erregten großes Aufsehen. Beklemmend war diese düstere Straße voll schleichender, hüstelnder Menschen, die seinen Zylinder und Pelz anstarrten, mit gierigen, höhnischen, erstaunten Augen. Frech streiften Schwedenklee die Blicke halbwüchsiger Mädchen.
Das bezeichnete Haus strömte Armut und Verzweiflung aus. Es stand und schwieg, wie ein düsteres Gesicht mit zusammengebissenen Zähnen.
Schwedenklee betrat es klopfenden Herzens.
Das Stiegenhaus war erfüllt von fernem, wirrem Lärm. Gezänk, Kinderweinen, schlagende Türen. Ein saurer, unangenehmer Geruch stieg von der schmutzigen Treppe auf – hier roch es nicht nach Lack und dem feinen Parfüm emporschwebender Pelze wie im Westen.
Schwedenklee hatte von solchen Häusern bis jetzt nur gelesen. Hier wurde gemordet, tagelang lagen Verstorbene in den kalten Wohnungen, bevor man sie fand, Hoffnungslose lösten den Gasschlauch –
„Pst – mein Herr – wollen Sie zu Fräulein Lisa?“ Zischeln unter ihm.
Schwedenklee kletterte rascher die Treppe empor, sein Herz klopfte erschrocken.
„Pst – pst – mein Herr!“
Achtunggebietend räusperte sich Schwedenklee, von Ekel und Furcht ergriffen.
Er floh an den Türen vorüber, hinter denen sich unbegreifliche Schicksale verbargen, die zu erfahren ihn nicht gelüstete.