Lärm empfing ihn im nächsten Stockwerk. Die Türe öffnete sich und eine korpulente Dame, offenbar in festlicher hochzeitlicher Kleidung, trat zigarettenrauchend, anscheinend etwas angeheitert, auf den Flur. Drinnen lärmten und schrien ausgelassen die Hochzeitsgäste.
Schwedenklee griff an die Krempe des Zylinders.
„Guten Abend!“ sagte die zigarettenrauchende Braut und warf Schwedenklee einen langen verführerischen Blick zu. Langsam schloß sie die Türe, während sie Schwedenklee, der sich nicht enthalten konnte zurückzublicken, mit zusammengekniffenem Auge zulächelte. Der Lärm der Hochzeitsgäste klang ferner.
Schärfer stieg wieder der schlechte Geruch aus den feuchten ausgetretenen Treppenstufen.
Da hielt Schwedenklee den Schritt an: an einer Türe klebte ein Zettel. „Leise klopfen, ein Schwerkranker! Man bittet auf der Treppe nicht zu lärmen. Schwester Anna.“
Hier also war es. Schwedenklees Herz stockte. Ein schweres, rätselhaftes Schnarchen, ein Sägen wie das Schnarchen eines Riesen ertönte hinter der Türe. Augenblicklich – obschon er nicht weiter darüber nachdachte, was das sonderbare Schnarchen zu bedeuten habe – ergriff Schwedenklee die Flucht.
Er stieg bis zur Hochzeitsgesellschaft hinab. Dann wandte er um. „Wie feige ich doch bin!“ dachte er.
14
Zaghaft pochte Schwedenklee, und sofort, lautlos, öffnete ihm die weißblonde, ungeschlachte Pflegerin mit den eckigen Hüften.
„Sie kommen zu spät“, flüsterte sie vorwurfsvoll, mit einem mißbilligenden Blick auf Pelz und Zylinder. „Noch vor einer halben Stunde hat er nach Ihnen gefragt. Jetzt hat er das Bewußtsein verloren.“ „Er“ nannte sie den Sterbenden, „er“ – nicht mehr wert ist ein Mensch, der stirbt.