Der gleiche röchelnde, furchtbare Schnarchton –. Schwester Anna schob Schwedenklee resolut durch die Türe.

„Hier, diese Türe!“ sagte sie.

In großer Befangenheit trat er ein.

Da sah Schwedenklee, daß dieser röchelnde Schnarchton aus dem weit geöffneten Munde eines im Bett halb aufrecht sitzenden leichenfahlen Mannes mit großen, gläsernen Augen kam.

Da sah Schwedenklee – nie wußte er später zu sagen, was er früher gesehen hatte, den Sterbenden oder das Andere – das Wesen, das vor dem Bette kniete ...

Das Zimmer war nicht hell. Eine kleine Petroleumlampe ohne Schirm stand irgendwo auf dem Tische. Der Sterbende saß in den Kissen eines grau und elend aussehenden Bettes. Seine Brust keuchte in kurzen Stößen, sein gemarterter Atem stieß Rauchsäulen in die eisige Luft, sein eingefallenes Gesicht blendete von Schweiß.

Vor dem Bett aber kniete ein Wesen – ein Geschöpf, etwas Unbegreifliches, Wunderbares, vielleicht nur eine Vision seiner aufgeschreckten und verwirrten Sinne? – ein Mädchen, die Hände betend verkrampft, die Augen auf das Antlitz des Sterbenden gerichtet – ein Wesen, verklärt, unfaßbar – Ellen Fröhlich, dieselbe Ellen Fröhlich, die er in Paris gekannt hatte – nur jünger und seltsam verklärt!

Fassungslos stand Schwedenklee und schloß die Augen. Er tastete mit der Hand nach der Wand, da er fühlte, wie er schwankte ...

Wie lange dauerte dieses furchtbare Röcheln? Stunden, eine Ewigkeit. Und immerfort, unbeweglich kniete dieses verklärte Wesen, die Hände betend verkrampft vor dem Bette.

Zuweilen nahm die Schwester ein feuchtes Tuch und wischte die Stirn des Sterbenden ab.